Forte Prenestino – Festung der Autonomen in Rom

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Forte Prenestino ist eine Festung aus dem 19. Jahrhundert und eine reale Utopie. Das Kulturzentrum mit dem Spitznamen Fortopia liegt nahe der sogenannten Straße der menschlichen Misere, Prenestina. Die Festung verfügt über mehrere Parks, Bühnen, Konzertsäle und Bars, ein Kino, einen Proberaum, einen Kinderspielplatz, eine Praxis, eine Volksküche und mehr. Hier finden regelmäßig Vorträge, Sport- und Sprachkurse statt, sowie politische und künstlerische Veranstaltungen.

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Einen autonomen, vor Energie und Kreativität strotzenden Ort wie Fortopia kann es nur in geben, wenn sich der Staat zurückhält und den BürgerInnen ihre Freiheit lässt. In Deutschland hätte die Polizei schon längst das Gelände gestürmt, damit Fortopia privatisiert und monetarisiert werden kann. Glücklicherweise hat die Stadt Rom ganz andere Probleme und lässt Antifaschisten, Anarchisten sowie Autonome größtenteils in Frieden.

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„Via della miseria umana“

Über Korruption und Ausbeutung im deutschen Journalismus

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Vom Hobby zum Beruf und zurück. Das Buch „Wege in den Traumberuf Journalismus“ habe ich ironischerweise auf der Straße gefunden.

Als ich 2016 als Praktikantin beim Meinungsmedium Der Freitag anfing, hatte ich bereits viel journalistische Erfahrung gesammelt und konnte sofort mit der Recherche für meinen ersten Artikel loslegen. Ich hatte mich für ein Praktikum beim Freitag entschieden, weil ich für eine linke Zeitung schreiben wollte. Die taz Hamburg, bei der ich mich auch beworben hatte, verlangte einen Probetag, hätte mich aber gar nicht bezahlt. Beim Freitag bekam ich einen Lohn für jeden veröffentlichten Print-Artikel. Das bedeutete für mich: Keine Online-Artikel mehr, wenig Geld für Essen ausgeben, bei Freundesfreunden auf dem Sofa schlafen, und natürlich: unbezahlte Recherchearbeit. Nach kleineren Artikeln, in denen ich nicht als Co-Autorin genannt wurde, begann ich, an einem größeren Text zu arbeiten. Ich recherchierte lange über Predictive Policing, Algorithmen und las nebenbei Minority Report. Für den Artikel wurde ich so vergütet, dass ich mein Bahn-Abo zahlen konnte. Jetzt ist es natürlich keine Neuigkeit, dass Journalistinnen inzwischen sehr schlecht bezahlt werden, außer sie werden zu Werbetexterinnen. Was mich stutzig machte ist eher, wie viel große Zeitungen von kleinen abschreiben und umgekehrt. In der Freitag-Redaktion war es kein Geheimnis, dass Beiträge von Jakob Augstein noch einmal im Spiegel verwurstet werden.

 

 

Ich wollte schon immer einmal für den Spiegel schreiben, weil das Magazin meiner Meinung nach für Qualitätsjournalismus steht. Allerdings kann man das von Spiegel Online nicht behaupten. Was der Spiegel mit Bento versucht, die Zeit mit Zett, die Welt mit ihrer Springerjugend, ZDF und ARD mit Funk… all das sind verzweifelte Verjüngungskuren der alten, reichen Säcke. Wie Schauspieler*innen, die sich Botox spritzen, um noch einmal eine Rolle zu spielen. Stattdessen werden ihre Gesichter zu Fratzen und man belächelt ihre offensichtliche Verzweiflung eher, statt sie in ihrem Beruf ernstzunehmen. 

Freie Mitarbeit, das war ein cooler Beruf neben dem Studium. Insbesondere im Kulturjournalismus. Denn Kulturjournalismus heißt auch: Freikarten für Konzerte, Theateraufführungen, Lesungen, Kinobesuche, Festivals. Für mich war es der beste Nebenjob der Welt! Ich konnte mir eine eigene Wohnung leisten, weil ich am Abend ins Capitol oder das Kulturzentrum Faust ging, nachts über die Auftritte schrieb, und dabei einen Euro pro Zeile verdiente. Man prophezeite mir eine glänzende Karriere im Lokaljournalismus, später auch deutschlandweit. Aber die Zeitungen verkauften meine Texte weiter, ohne mir Bescheid zu geben, geschweige denn etwas dafür zu zahlen. Erst jetzt, da ich mich weitestgehend aus dem Journalismus zurückgezogen habe und Jura studiere, merke ich, wie oft meine Auftraggeber illegal meine Texte wiederverwertet haben. Als freie Mitarbeiterin hatte ich keinen Vertrag, nur einen Auftrag (z.B. per Mail). Ich habe natürlich nie die Rechte an einem Text abgegeben, sondern immer nur die einmalige Nutzung vorausgesetzt.

Am schlimmsten war jedoch nicht, dass ich zum Teil für minus zwei Euro die Stunde arbeitete. Auch der Sexismus bei Lokalzeitungen – alte Männer in den Chefetagen, junge Frauen im Sekretariat – war und ist für mich kein Grund, den Journalismus aufzugeben. Im Gegenteil, der Journalismus braucht mehr Frauen in den Chefredaktionen. Was mich schließlich dazu bewegt hat, den Journalismus bis auf Weiteres hinter mir zu lassen, war die Tatsache, dass Werbetexter*innen, Influencer und PR-Expert*innen den Berufsmarkt überschwemmen. Sie schreiben entweder über ein Produkt, wofür sie eine Firma bezahlt, oder über sich selbst. Letzteres nennt man auch Befindlichkeits- oder Selfie-Journalismus. Der Artikel wird zur Eigenwerbung. „Du musst dich vermarkten“ und „Du musst dich gut verkaufen können“, bläute man uns im Bachelorstudium ein. Klingt nach Straßenstrich, oder? Wer sich nicht selbst verkauft, muss eben ein anderes Produkt bewerben. Neben einem schicken Auto zu posieren und es anzupreisen, das wird heute Journalismus genannt. Bei Bento über Tomatensoße und persönliche Wehwehchen zu faseln, ebenfalls. Am meisten Kohle machte ich als Werbetexterin. Aber ich hätte nie die Dreistigkeit besessen, mich dafür als Journalistin zu bezeichnen. Die Wahrheit ist: Luxuriöses Interior Design aus Berlin geht mir am Arsch vorbei und der Auftrag „Schreib es bitte als journalistischen Artikel“ ist Betrug. Solch ein Betrug an den Leser*innen lässt sich weder mit dem Pressekodex vereinbaren, noch mit meiner Arbeitsmoral. Auch die Anfrage eines Auftraggebers, geschützte Quellen mit Frontal-Foto preiszugeben, lässt mich daran zweifeln, ob es im deutschen Journalismus wirklich um seriöse Berichterstattung geht oder nur noch um die Clicks, Views, Likes.

 

 

In Zukunft werde ich mich mehr auf mein Studium und das literarische Schreiben konzentrieren. Nicht, dass es im Literaturbetrieb auch nur ein Fünkchen fairer zugehen würde. Ein gewisser Herr Walser bedient sich seit mindestens zehn Jahren an den literarischen Ergüssen seiner Affären, indem er die schriftliche Korrespondenz für seine späten Liebesromane ausweidet. Wer die Macht hat, das Ansehen und das Geld, kann getrost auf Quellenangaben und Urheberrecht pfeifen. Die Alten halten sich für unangreifbar. Mein Vorteil im Haifischbecken des Kulturbetriebs ist, dass ich die alte Leier schon aus dem Journalismus kenne.

Was bleibt, sind viele Erfahrungen, bei der Arbeit entdeckte Lieblingsbands… sowie die Hoffnung, dass Projekte à la Freedom of the Press Foundation oder WikiTribune die politische Aufgabe des Journalismus ernst nehmen. Die meisten Zeitungen haben bereits aufgegeben und sind zu Werbekatalogen verkommen. Ja, Journalist*innen und andere Medienmenschen tragen politische Verantwortung. „Idealistin!“ höre ich oft, als Schimpftwort gemeint. Danke für das Kompliment.

*MK out*

 

Je suis Spelacchio – Rome, the failed city

 

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The symbol of everything what’s wrong with Rome: Spelacchio.

During Christian holidays, I usually work. But last night, I sat in a bar in Rome with F. and our Italian friend S. who is thinking about migrating to Canada. We talked about how we, master students of chemistry, engineering and law, will probably end up homeless soon. „In Italy, too many young people study law“, S. tells us. „My friend, who is a studied lawyer, works for… how do you call it when somebody cleans the streets?“ Southern Italy really needs help with its trash problem, anybody should join the working class – even when they just got in dept with a huge student loan to graduate from university like their parents wanted them to. The academic teaching here is excellent, but useless, because there are no jobs. Italy’s capital is in a major crisis and the new symbol of it is the poor Spelacchio.

Spelacchio is how the citizens of Rome named the Christmas tree of the city on the Piazza Venezia. It means something like shabby, sheared or threadbare. Spelacchio is an embarrassment for Italy, but especially for Rome and the city’s mayor Virginia Raggi.

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Italien ist ein Paradies, aber der Admin heißt Satan.

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Bacco rappresentato da Michelangelo Merisi. So sehen AbsolventInnen der Uni Roma 1 übrigens auch aus. Mit dunkleren Augenringen.

In Italien ist Weihnachten ein Extremsport. Während ich in Deutschland keine Probleme hatte, die eher zurückhaltend formulierte Frage  „Und was machst du so in den Ferien?“ zu beantworten, fragen mich italienische KommilitonInnen geradeheraus, warum ich nicht längst zu meiner Familie heimgeflogen bin. Ich habe inzwischen gemerkt, dass „Funkstille, tot, herz- oder geisteskrank“ eine zu ehrliche Antwort ist für das römisch-katholische Gemüt.  Die ItalienerInnen nehmen christliche Feiertage verdammt ernst. Erstens, weil man da frei hat. Zweitens, weil sich fast jede Feier mit zu viel Rotwein und Tiramisu ertragen lässt. Drittens: „Wir haben den Vatikan; wir haben den Paaaapst!“ (Das heulte meine ehemalige Mitbewohnerin in Bologna, als sie die Nachrichten zu den Paris-Attentaten im Fernsehen sah. Die Frau hat, äh, Prioritäten.) Unser Portier (ja, im Ghetto braucht man das und ja, er sortiert auch unsere Post) lässt gerade eine sperrige Krippe im Foyer aufbauen. F. ist derweil sehr skeptisch gegenüber der „Joseph“-Figur, weil Joseph im Islam Marias Vater ist oder so. Jedenfalls hatte Maria keinen Herrenbesuch und Jesus ist auch nur ein Prophet und nicht Gottes Sohn. Das würde Gott ja vermenschlichen. Damit haben die Römer natürlich kein Problem, die vermenschlichen Götter in ihren Sagen seit abertausenden von Jahren. Dieses Jahr feiert meine Kleinfamilie jedenfalls ausschließlich Bacco, den Gott des Weines.

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Bedrückende Versuche einer Zeitreise

Die Boulevardisierung und Verwässerung der Erinnerugskultur schreitet voran: Das Gruselkabinett als Alternative für Deutschland?

Beschmierte Gedenktafel in Aachen, 2014. Der/die Täter/in war sicher kein/e Orwell-Leser/in.

Die ZDF-Sendung Neo Magazin Royale ist bekannt für Jan Böhmermanns kluge Blödeleien und geschickt konstruierte Kontroversen. Die Folge vom 16. November war eine Satire im Dokumentationsstil, bei der Autor und Komiker Ralf Kabelka mit seiner authentisch wirkenden Neugier als Gegengewicht zu Böhmermanns Zynismus wirkte. Es ging um einen Themenpark, der 2023 eröffnen und die Nazizeit als Freizeitevent für die ganze Familie inszenieren sollte. Der Projektleiter des sogenannten Reichsparks, gespielt von Piet Fuchs, erklärt in Werbefilmchen und Interviews seine Vision von erlebbar gemachter Geschichte. Zwar mag es zur Schadenfreude anregen, dass Neo Magazin Royale erneut ein paar Voreilige an der Nase herumführen konnte. Doch besonders bedrückend sind die echten Reportage-Sequenzen.Weiterlesen »

Why we don’t need Social Media – but Social Media needs us

A personal odyssey through the ghost land of social media

 

Dear NSA,

I’m MK, 25 years old and I would describe myself as a sociable person. But you already know that, of course. I just wanted to tell you or any other person who might read this that I quit most of my social media, because it got really annoying. This „letter to the NSA“ is not a story about how I quit social media (because that can be done in a few seconds). It’s about why I started in the first place.

After a long time of resistance against the power of peer-pressure, I decided to join Facebook in 2013. Why so late? Because I did not need social media until I started my bachelor in another city. In university, most events, lectures and projects where being organized and discussed via Facebook. Whenever I said „Sorry, I don’t use Facebook“, people would seriously get angry at me. Aaah, you special little snowflake, you are such a brave jedi knight, do you want a golden medal for not being like us? By this reverse logic I was convinced for a while that the problem was me and my fake individuality. So I joined Facebook and used it for about three years. First it was exciting and addictive, like everything else that your friends think is cool. I could tell everyone my opinion about stuff and they could only „like“ it or shut up about it. But this concept led me to believe very fast that everybody has to either like me or shut up, in real life.Weiterlesen »

Iran Reisejournal – Teil 3: Massal, im grünen Nordiran

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7- 11. August:

Am Montag geht es noch auf einen Abstecher in die „Stadt des Tees“*, Lahijan, bevor wir unsere europäischen Freunde in Teheran aufgabeln werden. F. und ich erklimmen den Teufelsberg, der so heißt, weil man sich im Sommer die Fresse verbrennt, fast einen Kreislaufkollaps kriegt, und im Winter wahrscheinlich das Genick bricht, weil die Stufen vereist sind. Den ersten Abend nach der Anreise unserer Freunde verbringen wir auf dem Freiheitsplatz, wo auch die Grüne Revolution stattfand, und in einem nachts noch heimlich geöffneten Restaurant im „Elbenwald“. So nenne ich den märchenhaften Ort in Teheran, an dem sich Restaurants wie Baumhäuser zwischen Felsen, Wald und kleinen Wasserfällen übereinander stapeln. Endlich lerne ich F.s Kindheitsfreund M. persönlich kennen. M. spricht Deutsch und kämpft seit zwei Jahren mit österreichischen Behörden um sein Visum, da er schon längst von der Uni Wien angenommen wurde.Weiterlesen »

Iran Reisejournal- Teil 1: Teheran

Vom Bordstein zur Skyline… nee Spaß, ersaufe immer noch in Bafög-Schulden :D

 

Bei jedem Umzug werden es mehr Kisten voller Notizbücher und jedes Mal frage ich mich, warum ich mir das eigentlich antue. Genau dann, wenn ich es mit den Journalen endgültig sein lassen will, kommt aber ein neuer Schreibauftrag. Dieses Jahr reise ich zum ersten Mal in die Islamische Republik Iran und wurde im Vorfeld von einigen Leuten gebeten, meine Erlebnisse aufzuschreiben. Einen Zeitungsartikel hatte ich auch schon fertig, habe aus Gründen des Quellenschutzes allerdings eine Veröffentlichung blockiert, da die “Art Direction” Porträtfotos von einem anonymen Interviewpartner forderte. Wenn Menschen den Mut haben, mit AutorInnen / JournalistInnen offen und ehrlich über Missstände zu sprechen, die ein Regime totschweigt, soll man sie dann etwa aus Geldgier ins Messer laufen lassen? Ich werde mich also auf Fotos beschränken, mit denen die Porträtierten einverstanden sind und kürze Namen ab.Weiterlesen »

You’re an alien, I’m an elf and that is totally okay.

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© Ela Aram | All clothes designed by Ela Aram | unedited

Let me start this essay on the art of having your own style with a bit of drama, ok? Back in school people laught at me. Every. Single. Day. Because of my mohawk, the glossy black plateau boots, the blue and green lipstick, my self-made clothes and the ones I bought… Even at my „elf ear“, which is an especially dumb thing to do, because I didn’t choose it like an outfit, I was born with it. This story could go on over pages and pages full of self-pity and vengeance. But honestly, I never gave a fuck about those boring people. Peer-pressure created by the kids smoking at the school gate never worked for me and I’ll tell you why.

Even the ones who kicked me down to „prove“ that I couldn’t walk in those incredibly comfortable, though very high goth plateau boots I’ve had since I turned 15. And yeah, sure, I got a tattoo at 16 for the „attention“. Like being constantly touched and screamed at by strangers „Is this real or paint?!“ is something enjoyable. (By the way: Touching tattoos doesn’t make any sense, because the ink is approx. 3 millimeters under the skin, you dumb fucks can not feel a tattoo.) I still laugh about the nazis in our village who threatened to beat me up and rape me, because of my purple punk hairstyle. Also, getting called „anorexic“ by fat girls – gets me everytime. The most ridiculous guy in high school was probably the one who made fun of my big nerdy glasses just a year before nerd-glasses became popular and he started wearing them, too. Most people are scared of looking different, so they wait until something they secretly like becomes fashionable (again) and they can pull it off without being „the weird one“.Weiterlesen »