Ein ungewöhnliches Hobby

Als Kind kritzelte ich meine Arme mit Filzstiften an, bis ich von den Schultern zu den Fingernägeln komplett bunt war. Aufklebetattoos aus Kaugummipackungen fand ich einfach wunderbar und schon mit 13 Jahren wollte ich mein erstes Tattoo haben. Ich nervte so lange damit, dass ich zu meinem 16. Geburtstag tatsächlich ein Tattoo haben durfte.

Glücklicherweise gibt es in meiner Heimatstadt ein exzellentes Tattoostudio und ich wurde vom Chef persönlich tätowiert, dessen Arbeit mehrfach preisgekrönt ist. Zwei bis drei Jahre muss man warten, um einen Termin bei ihm zu bekommen. Es ist also von Vorteil, wenn man früh weiß, was man will…                                                                                              …und dann auch dabei bleibt. DSCN0927

Als 16-Jährige mit echtem Tattoo war man zwei Jahre lang der absolute „Gangster“ auf dem Pausenhof, mit 18 durften dann auch alle anderen. Ich bin aber immer noch besonders stolz auf meine erste Tätowierung, die sich trotz Wachstum, Pubertät usw. überhaupt nicht verändert hat.

Nun sind Tattoos an sich schon längst kein ungewöhnliches Hobby mehr, wenn auch ein teurer Spaß.

Aber die Kunst des Tätowierens faszinierte mich so sehr, dass ich mit 19 Jahren von meinem Minijob-Gehalt eine eigene Tätowiermaschine und das entsprechende Zubehör kaufte. Die Maschine lässt sich leicht zusammenbauen, wenn man schon öfter eine gesehen hat. Zuerst kann man an Bananen(schalen) gut testen, ob man die Maschine richtig hält – diese ist schließlich kein Stift – und man bekommt ein Gefühl dafür, wie tief die Farbe gestochen werden darf.

Clockwork

BananaphoneUhrwerk Orange & Bananaphone. Solche Schwachsinnstattoos dauern vielleicht zwei bis fünf Minuten, sind aber eine gute Übung.

Der nächste Schritt ist nichts für Hartecore-VeganerInnen: In der Bio-Fleischerei kann man nach Schweineresten fragen, weil die Schweinehaut der menschlichen sehr ähnlich ist und sich perfekt zum Üben eignet. Die Nadel geht nicht so sanft durch wie bei einer Bananenschale, man muss sich richtig konzentrieren und eine ruhige Hand behalten. Übrigens: Je näher die Fleischerei an einem Tattoostudio ist, desto weniger blöd wird man von den VerkäuferInnen angestarrt. Schweinereste zu tätowieren fand ich persönlich allerdings ziemlich unangenehm, weil mir das Tier sehr leidtat.

Letztens fragte eine Bekannte, die von meinem Hobby gehört hatte, ob ich ihr ein kleines Tattoo stechen würde. Ich erklärte, dass ich noch nie einen Menschen tätowiert hatte und das Ergebnis auf jeden Fall nach Knast-Tätowierung aussehen würde. Ihr war das egal und sie unterschrieb sogar eine Einverständniserklärung. Die Bekannte wünschte sich ein winziges Wellen-Tattoo, was gut passte, da ich ungeöffnete blaue Tattoofarbe hatte. Mit dem Ergebnis war sie zufrieden, aber ich finde vor allem die erste „Welle“ total schief, darum wird nach dem Abheilen noch einmal gründlich nachgestochen.

WellenTattooHobbytätowiererInnen werden von Profis abfällig als „Scratcher“, also Kratzer, betitelt. Mittlerweile „kratze“ ich aber nicht mehr, sondern kritzle eher, denn ich konnte mit wenigen winzigen Versuchen an der eigenen Haut feststellen, ab wann die Nadel zu tief unter die Haut geht. Trotz Zeichenkurs bin ich natürlich mehr Kritzlerin als Künstlerin. Profi-Tattoos sind im besten Fall wunderschöne Kunstwerke, die mit der richtigen Pflege sehr lange so schön bleiben.

Tätowieren ist für mich nur ein Hobby, ich mache das zum Spaß und verlange höchstens mal fünf Euro, um meine Kosten zu decken (Farben, Nadeln, etc.), aber wer ein wirklich schönes Tattoo haben will, sollte zu einem Profi gehen, der seit vielen Jahren hauptberuflich tätowiert und Handwerk mit Kunstwerk verbindet.

Mal ganz abgesehen vom künstlerischen Aspekt: Die Hygienestandards in angemeldeten Tattoostudios werden vom Gesundheitsamt geprüft und sind immer höher als in einer normalen Wohnung, auch wenn man diese hundertmal    mit Desinfektionsmittel geschrubbt hat!

 

 


PS: Bevor ich die Tätowiermaschine zum ersten mal angeschlossen habe, musste JEMAND erst einmal ganz dringend lernen, dass er NICHT in jedes Zimmer darf:

HerrHund;-)

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s