Wie ich lernte, die Hipster nicht zu hassen oder die nüchterne Kneipenkritik

Foto: Dr. Dread
Foto: Dr. Dread

Hipster sind diese komischen Wesen aus dem ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts, die plötzlich alle gleichzeitig beschlossen haben, ganz anders und individuell zu sein, aber in ihrer Individualität und Andersheit komplett gleich sind.

Zum Beispiel tragen die Jungen gerne Rauschebart, insofern sie genetisch dazu in der Lage sind. Was mich persönlich daran verwirrt ist, dass diese Jungs mit ihren Zauselbärten besonders männlich wirken möchten, sich dann aber in Skinny Jeans reinquetschen, rosa Häkelschals tragen und/oder Merchandise von Sailor Moon und Pokémon.

Die Mädchen liefern sich mit ihren Haarknoten, die sie wie bekiffte Teletubbies aussehen lassen, einen Schwanzvergleich im Hörsaal und wenn man hinter einer solchen Dame sitzt, kann man außer ihren Haaren nichts mehr sehen.

Natürlich haben auch alle eine Hornbrille auf und ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich als stark Kurzsichtige alle Menschen verabscheue, die sich aus modischen Gründen eine Hornbrille aufsetzen. Als nächstes fahrt ihr wohl im Rollstuhl rum, weil Fahrräder sooo 2014 sind.

Vor wenigen Jahren waren große Brillengestelle noch nicht „in“ und man wurde dafür von Mitschülern ausgelacht (Ja, Lukas, ich meine dich). Doch dann wurde es plötzlich cool.  Genau so wie in der Zeit um 2007, als kurz vor dem schlimmen Emo-Trend noch mal ganz kurz Punk „in“ war. Ich habe mir genau gemerkt, wie ihr rumgelaufen seid, Darius, Malte, Leonie und Jonas. Aber jetzt tragt ihr Polohemden oder Hipstersachen und wartet auf den nächsten Trend.

Was mich am meisten an Hipstern aufregt ist aber, dass sie alle tatsächlich glauben, sie hätten ihren eigenen Stil. Zum Gegenbeweis führe ich das von mir extra für den Hörsaal erfundene „Hipsterbingo“ an. Gerade in Vorlesungen aus den weitläufigen Bereichen „Kulturwissenschaft“ und „Irgendwas mit Medien“ konnte man innerhalb der ersten Minuten „Bingo!“ rufen.

Diese Modeerscheinung würde mich wirklich nicht weiter stören, hätte sie nur nicht dazu geführt, dass alle Mitläufer sich nun so ähnlich sehen. Seit sie Hipster sind, kann ich viele meiner Bekannten einfach nicht mehr unterscheiden – besonders im Winter, wenn nur noch ihre bebrillten Augen durch zwanzig Meter selbstgestrickter Wollwarenunfälle herauslugen.

Doch ausgerechnet kurz vor Weihnachten, dem Fest des unterdrückten Hasses der Liebe, traf ich auf Hipster, die mich mit dem Hipstertum versöhnten.

Stephan, Versicherungsfachmann und Veranstalter von Rollenspielen im Stile der 1920er Jahre hat dem Kneipensterben in Aachen mit einem wunderbaren Projekt entgegengewirkt: Zusammen mit Freunden und Förderern hat er die Grotesque Absinth-Bar ins Leben gerufen. Die Lage ist perfekt: Fast am Dom, aber in einer Seitenstraße fernab der tyischen Einkaufsstraßen. Die Einrichtung  ist perfekt: Mit schicken Möbeln und Cthulhu-Referenz an der Wand (So meta, much wow), die Karte ist super authentisch, weil man zu (60 – 90%igem!) Absinth, Gin oder Wein Oreo-Kekse gereicht bekommt und wahre Kekskenner wissen natürlich, dass es diese Snacks schon seit 1912 gibt.

Diese Glas- und Metall-Karaffen mit Eiswasser drin, welches man auf ein Stück Zucker und in den Absinth tropfen lässt, heißen übrigens Absinth-Fontänen. Wir haben extra nachgefragt, weil Absinth-Eimer zu sehr nach Malle klang. Und im Gegensatz zu Malle und vielen üblichen Kneipen hat die Grotesque Bar: Stil.


Grotesque Absinth-Bar
Rennbahn 1
Aachen

 

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