Briefe an die NSA #1

Liebe NSA,

wie ihr sicherlich wisst, wurde im Jahr 2004 Piczo Inc. gegründet, ein Online-Netzwerk für Jugendliche mit ganz viel buntem Schnickschnack und der Möglichkeit, selbst zu bloggen, ohne etwas von HTML verstehen zu müssen. Zu seinen besten Zeiten hatte Piczo.com 28 Millionen Mitglieder. Ich habe im Alter von 12 Jahren auf mkay.piczo.com gebloggt und es ging vor allem darum, dass meine Familie hart nervt, Schule sowieso und alles, was zählt, Punk sein und Urlaub ist.

2012 konnte Piczo Inc. seine Serverkosten nicht mehr bezahlen, Facistbook hatte schon lange die Social Media Macht an sich gerissen. 2014 wurde Piczo zu Grabe getragen, Links zu den alten Seiten führen ins Nichts. Ich will aber meine Texte und Bilder wiederhaben! Wer denkt denn mit 12, 13, 14 Jahren an so einen Scheiß wie Sicherheitskopien?! Also, liebe NSA, das ist ganz klar ein Job für euch! Ich erinnere mich nur vage an meine Blog-Kategorien und Einträge, eine Kategorie hieß jedenfalls „Terroranschlag Durchschnittsfamilie“ und einer der Einträge handelte davon, dass meine Mutter mir verboten hatte, schwarzen Nagellack zu tragen, weil „nur Leichen schwarze Nägel haben“.

Dabei fing das Ganze doch schon viel früher an. Nämlich mit meiner Kommunion. Macht ja Sinn: Bastard eines katholischen Priesters und einer Protestantin, die das Prinzip des Zölibats nicht verstanden haben, katholisch taufen lassen und dann auch noch zur Kommunion schleifen! Mein Verhältnis zur katholischen Kirche ist daher schon immer etwas paradox gewesen, aber das wisst ihr von der NSA bestimmt.

Meine Mutter hatte mir ein blutrot leuchtendes Kreuz für die Kommunion gekauft, weil ich kein anderes haben wollte. Später bekam ich noch eins aus Gold, aber das habe ich verloren (oder verkauft, als ich pleite war, sucht euch was aus). An dem Tag, als ich ein Kreuz bekommen sollte, hatte ich miese Laune, also sagte meine Mutter zu mir: „Du darfst dir noch eine Sache im Laden aussuchen, aber nur eine!“ Nach kurzem Überlegen hielt ich ihr eine Kassette unter die Nase: John Sinclair – Geisterjäger. Den Hinweis „ab 16“ hielt ich mit meiner Hand verdeckt und war scheiße stolz darauf.

Letztens habe ich eine Einladung von Bastei Lübbe zu einem John Sinclair Livehörspiel in Leipzig bekommen, weil ich mal ein Buch von denen rezensieren sollte und es dann vercheckt habe und die dann vercheckt haben, dass ich es vercheckt habe. Gepackt von Nostalgie hörte ich mir noch einmal die Kassette an und die Wahrheit ist, ich habe immer noch eine Scheißangst davor. Aber Soundtrack ist so gut.

Diese John Sinclair-Assoziationskette brachte mich dazu, meine Auf-dem-Papier-Religion erneut zu überdenken und trotz Praktikumsstress mal wieder zu bloggen. Ich würde mich freuen, wenn sich eine/r meiner LeserInnen mit Satanismus auskennt und mir etwas darüber erzählen würde. Haben Satanisten auch was gegen Homosexuelle, Wiederverheiratete und Frauen im Allgemeinen? Nein? Erzählt es mir!

Und ihr, liebe NSA, schickt mir doch bitte eine Sicherheitskopie meines ersten Blogs. Meine E-Mail-Adresse lautet… ach nein, die habt ihr ja schon.

Hochachtungsvoll,

Mirjam Kay.

 

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