Die ehrliche Konzertkritik: Night Demon

© Night Demon
© Night Demon

Night Demon im Lux: NOT THE TIME FOR SCHLAF

„Is it time for Schlaf?“, fragt Jarvis Leatherby, Sänger der Metal Band Night Demon. „Nein!”, antwortet das Publikum im Lux brav. Night Demon sind gerade auf Europa-Tournee und zum ersten Mal in Hannover. Die drei Jungs aus Kalifornien gründeten ihre Band im Jahr 2011, veröffentlichten 2012 eine EP und nun ist ihr erster Longplayer „Curse of the Damned” erschienen. Die elf Songs auf dem Album haben Titel wie „Screams in the Night“, „Satan“ und „Killer“. Meistens geht es darum, dass irgendjemand umgebracht wird, vorzugsweise mit einer Axt.

Night Demon haben den Heavy Metal wahrlich nicht neu erfunden, aber sie beherrschen alle klassischen Elemente dieser Musikrichtung und mischen sich daraus ihre Formel zum Erfolg. Die etwas krampfhafte Suche nach dem – eben nicht eigenen, sondern kollektiven – Metal-Stil fängt schon bei Details wie Kleider- und Wortwahl an: Entweder schwarzes T-Shirt oder oben ohne, Wolfsgeheul vom Band als Song-Intro, der Sänger sagt oft „Fuck“ und den Teufel findet die Band natürlich auch supi. Auf den Promo-Fotos für ihr Album gucken Jarvis Leatherby (Gesang/Bass), Brent Woodward (Gitarre) und Dusty Squires (Schlagzeug) betont böse. Doch auf der Bühne wirken sie manchmal wie verträumte Hippies, die einfach nur mit dem falschen Fuß aufgestanden sind.

Als junge Band mit einem 11-Lieder-Album haben Night Demon noch nicht genug Stoff, um einen ganzen Konzertabend zu füllen, aber dafür klingen ihre Cover-Versionen saucool. „Fuck it, wir spielen noch einen für euch“, gibt der Sänger den Zugaberufen nach. Jetzt wird auf Zuruf gespielt, zum Beispiel „Axe crazy“ der Band Jaguar. „Wirst du dann auch durchdrehen oder nur mit deinem Bier in der Ecke rumstehen?“, fragt Frontmann Leatherby den jungen Mann, der den Song unbedingt hören will. „Durchdrehen? Okay! Dieser Typ hier wird jetzt ausrasten! Axe crazy!“ Mit Ausrasten ist glücklicherweise Tanzen und Haareschütteln gemeint, denn eine Axt ist gerade nicht zur Hand.

Der beste eigene Song der Band ist eindeutig „Mastermind“, weil er verdammt noch mal abgeht. Das Schöne an kleinen Konzerten: Die Fans können fast Kopf an Kopf mit ihren Idolen headbangen. Sänger Leatherby bedankt sich beim Publikum, weil trotz des ätzenden Wetters an diesem „Whiplash Wednesday“ doch eine Menge Leute ins Lux gekommen sind. „Wir dachten uns zuerst, wir machen einen Aprilscherz und erscheinen einfach nicht. Aber hier sind wir!“ Nach nur einer Stunde ist das Konzert auch schon wieder vorbei. Aber die kommen bestimmt wieder. Nächstes Mal hoffentlich mit einer breiteren Palette an Songs.

Fazit: Night Demon fehlt noch die Attitüde. Zur Not tut’s vielleicht auch ’ne Axt. Oder hey, beißt doch mal ’ner Fledermaus den Kopf ab. Was auch immer. Aber lasst euch bis zum nächsten Mal was für die Show einfallen, Jungs! Spielen könnt ihr ja schon. ★★✰✰✰

Weitere Tourdaten (Europa):
3. April Gandhiplein, 3, 9501DB Stadskanaal, Netherlands
5. April K 19, Kassel, Germany
6. April McHeracles, Retie, Belgium

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