Die ehrliche Konzertkritik: BRDigung (Support: SpitFire)

Wenn die Punker mit den Patrioten…

© BRDigung (Promo-Bild)
© BRDigung (Promo-Bild)

Dieser Abend im Musikzentrum ist ein bisschen wie ein Klassentreffen ehemaliger Dorfschulkinder: Die Bands SpitFire und BRDigung gehören beide zum Plattenlabel Rookies & Kings, das von Stefan Harder, Manager der umstrittenen Band Frei.Wild und Phillip Burger, Frontsänger von Frei.Wild, gegründet wurde. Die Münchner Rock- und Metalband SpitFire hat gerade ihr zweites Studioalbum „Welcome to Bones City“ veröffentlicht. Auf dem neuen Album sind auch tanzbare Songs wie „Devil’s Dance“ vertreten und mit tanzen ist natürlich pogen und moshen gemeint. Zwei betrunkene Fans eröffnen den Moshpit, schmeißen Bier und sich selbst zu Boden, laden zum Schubs-Tanz.

In dichten künstlichen Nebel und weiße Hasenmasken gehüllt, betreten Gitarrist Jonas Straeten und Bassist Alexander Steves von BRDigung die Bühne. Ihre Horrorhasen-Masken tragen sie auch im Musikvideo zum Titelsong des aktuellen Albums „In goldenen Ketten“. Das Lied handelt von der Regierung und ihrem perfiden Plan, alle Menschen so abzulenken, dass ein Widerstand gar nicht erst anfängt, und selbstverständlich von den bösen Medien, die Krieg als Frieden darstellen. Die vier Jungs von BRDigung machen auf rotzige Deutschpunker mit Vorliebe für Metalriffs und beinahe politische Texte. Doch die Nähe zu ultrapatriotischen Bands nimmt ihrem Punk-Gehabe ein wenig die Authentizität. Zudem sieht Sänger und Leadgitarrist Julian Cistecky aus und klingt wie ein Teenager, der gerade gegen seine Eltern rebelliert. Cistecky freut sich ’nen Ast ab über die gut zur Hälfte gefüllte Halle. Für März 2016 kündigt die Band ein neues Album an; es gibt viel Applaus.

Weil nach zwei Songs technische Probleme auftreten, spielt die Band zwischendurch eine ruhigere Akustikeinlage. „Ausziehen!“, schlägt jemand im Publikum als Überbrückungsstrategie vor. „Ich soll mich ausziehen?“ Cistecky schaut erst zum Publikum, dann zu den Technikern: „Scheiße, bringt bloß meine Gitarre zum Laufen!“ Als die E-Gitarre wieder funktioniert, spielt BRDigung ihren Hit „Tanz dickes Kind“. Der Moshpit besteht mittlerweile aus mehreren Dutzend Skinheads, Metallern und Punks, die einander umschubsen und in die Seiten stoßen. Zwischen den Liedern stimmen die Fans spontan einen „Oh wie ist das schön“-Chor an.

Fazit: Die Anleitung zum Spaßhaben ist einfach – Hirn aus und ab in den Moshpit, dann noch laut mitgröhlen bei „Tanz, dickes Kind“, schon hat man einen tollen Abend. Für alle, die bei Frei.Wild, den Krawallbrüdern & Co. ein mulmiges Gefühl haben: Im „Nazipunks fuck off“-Shirt zum Konzert gehen und gucken, was passiert. Es gibt ’nen Stern für den doch sehr coolen Bandnamen BRDigung und einen für die Vorband. Außerdem sollte noch eine wichtige Sache erwähnt werden, weil es IMMER NOCH nicht jeder gecheckt hat: SKINHEADS sind NICHT unbedingt und immer NAZIS! Hören nur leider manchmal die gleiche Musik. ★★✰✰✰

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