Projekt Shelter Anywhere: Die Villa ist voll

(Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license)
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Auf HousingAnywhere.com kann man seine Wohnung oder sein Zimmer vermieten und selbst eine Unterkunft suchen, zum Beispiel, wenn man ins Ausland gehen möchte oder ein Praktikum in einer anderen Stadt macht. Oder man will nicht nur für einen kurzen Zeitraum, sondern ganz wegziehen, weil es einem woanders besser gefällt oder man im Ausland einen Job gefunden hat.*

Jetzt hat Housing Anywhere das Start-Up Shelter Anywhere ins Leben gerufen: Studierende in ganz Europa können sich auf der Seite registrieren und ihre Wohnungen, WG-Zimmer oder wenigstens einen Schlafplatz auf dem Sofa geflüchteten Studierenden anbieten, die dringend eine Unterkunft benötigen.

Klingt einleuchtend:
Studierende, die bekanntlich am Wohnungsmarkt so richtig abgezockt werden, sollen sich mit Studierenden, die gar kein Dach mehr über dem Kopf haben, solidarisieren. Oft legt einem die Mietvertrag-Bürokratie dabei auch noch Steine in den Weg. Das Tolle an Shelter Anywhere ist, dass sich die InitiatorInnen keine Illusionen machen. Denn dann würden sie an Besserverdienende appellieren und nicht an deren Kinder sowie junge Leute, die von Darlehen und Nebenjobs leben.  Wer in einer Villa mit zwanzig Zimmern wohnt, wird sich höchstwahrscheinlich in einem davon verschanzen und hoffen, der Kelch möge an ihr/ihm vorüberziehen. Die restlichen neunzehn Zimmer braucht man ja dringend selbst. Wer eine Besenkammer fuer 450€ mietet, ist eher bereit, noch ein Bett hineinzustellen. In Deutschland etwas ungewohnt, aber in Italien nicht selten: Doppie, also ein kleines Zimmer mit zwei Betten drin.

Oh the irony!

Auch wenn das 20-Zimmer-Beispiel natürlich überspitzt ist, handelt es sich nicht um eine weitere linksextreme „Bonzen sind das Böse, ihre Autos abzufackeln hilft bestimmt“-Phantasie, sondern um traurige Realität. Siehe auch:
Die Kommentare dazu sind übrigens sehr amüsant. Oder sehr traurig. Je nachdem, ob man noch über Dummheit lachen kann (Eine Auswahl: „Diese Lügenmedien sind einfach nicht mehr zu ertragen!“, „Also ich wähle NPD…“, „Wir bezahlen Miete für so was – die nicht! Und die haben hier noch nichts geleistet.“)

Verwunderlich ist nur, dass auf Shelter Anywhere explizit Plätze für „student refugees“ gesucht werden. In der FAQ wird ja bereits angemerkt, dass die meisten all ihr Hab und Gut auf der Flucht zurücklassen mussten, weshalb sich gar nicht genau feststellen lässt, wer Student/in ist und wer nicht. Also warum diese Betonung? Halten sich StudentInnen für das Alpha und Omega und bleiben am liebsten unter sich? Es reicht doch, bei der Registrierung anzugeben: „Ich habe / wir haben Platz für…“ und dann entscheidet man selbst, mit wem man am besten klarkommt.

Hast DU einen freien Platz?

Mehr Informationen auf: Shelter Anywhere .

Wenn Mallorca Hell’s Angels, Ex-NPD-Chefs und dauerbesoffene Touristen aushält, kann alles andere nur besser werden.

* An dieser Stelle antifaschistische Grüße an den Hildesheimer Wirtschaftsflüchtling und Ex-NPD-Vorsitzenden Holger Apfel. (Witz nicht kapiert? Bitte hier entlang: FAZ: „Der rechtsextreme Ausländer: Ex-NPD-Chef serviert auf Mallorca“)

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