Feeding the Troll – Hass auf Facebook

Haters gonna ha…ve a nice talk with me.
Das Internet ist inzwischen so voll von rassistischen, sexistischen und homophoben Hasstiraden, dass sogar ,,Mensch-Maschine“ Sascha Lobo die Krise kriegte und in seiner Spiegel-Kolumne im Januar einen ,,Hilferuf an die mindestens durschnittlich Begabten“
aussendete. Offenbar ist so mancher besorgter Bürger mit seiner bzw. ihrer geliebten Meinungsfreiheit so überfordert, dass er oder sie es nicht einmal mehr schafft, die Computermaus festzuhalten.
Meinungsfreiheit, das ist übrigens dieses Ding:
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E. B. Hall beschreibt Voltaires Haltung zum Thema Meinungsfreiheit.

Da ich an einer sogenannten Schreibschule studiere (alles gelangweilte bonzige Arztkinder, wie wir dank des Artikels eines unserer Ex-Dozenten wissen) und Lektoratsrunden alleine mit dem Tagebuch nicht gut funktionieren, sah ich mich Ende 2013 gezwungen, mir einen Facebook Account zuzulegen. Am Anfang war es praktisch. Doch Facebook ist inzwischen wie 4Chan ohne Nacktfotos: Viel Hass, viel Schwachsinn, wenig Information. Ich wollte zwischen zwei Seminaren gerade mein Profil auf Eis legen, da meldete sich mein allererster Hater. Ich war ein bisschen stolz darauf, einen Hater zu haben. Hater, das sind Menschen, die einen hassen und beleidigen, obwohl sie einem noch nie begegnet sind. Sie finden dich einfach scheiße. Die meisten Hater haben viel Zeit, um Zeitungsartikel zu lesen, geben sich aber schon mit der Überschrift zufrieden. Und wenn die ihnen nicht passt, dann ist aber die Hölle los.

SeyedTrottel
Das ist S., irgendein Typ auf Facebook. Er findet Homosexuelle nicht normal und meint, dass eine (bilinguale) Schulbildung nichts bringt sein. Er arbeitet, laut eigener Aussage, als Kameramann in der Pornoindustrie.
„Don’t feed the troll“, also auf keinen Fall antworten. Reden bringt nichts. Oder? Klar kann man es als Zeitverschwendung betrachten, sich mit jemandem zu unterhalten, der einen hasst. Zum Beispiel mit einem Facebook-Troll, den man ja einfach blockieren kann.
Aber als Schreibstudentin, die sich beim Schreiben oder der Recherche davor (egal, ob journalistisch oder literarisch) in eine andere Person hineinversetzen muss, finde ich es total interessant zu erfahren: Woher kommt dieser Hass? Meistens ist es, unter vielen Schichten, doch nur tief verwurzelte Angst, genährt von Unkenntnis. Man denkt, die andere Person will einem etwas Böses.
In diesem Fall: Alle Studentinnen blicken spöttisch und arrogant auf die Typen herab, die Rapmusik machen und Pornos drehen wollen, anstatt ihr Abi nachzuholen. Als ob Studierende nicht selber Rap und Pornos mögen würden. Als ob alle Studierenden ihre Ausbildung und die ganzen Möglichkeiten, die sie einem eröffnen kann, für eine Selbstverständlichkeit hielten. Als ob wir alle Leute auslachen würden, deren Deutsch nicht perfekt ist und deren Berufsvorstellungen unrealistisch sind. Das sind meine doch auch, ,,bei der Wirtschaftslage“ (Zitat: betrunkener Medizinstudent bei einem Date).
Klar, so sind wir eben, wir Irgendwas-mit-Medien-und-Kultur-Studentinnen: Wir tragen alle Perlenohrringe, haben reiche Eltern und stoßen nach der Uni in einem Berliner Hipster-Schuppen mit Weißwein darauf an, dass wir nicht so ungebildet durch die Welt kriechen müssen wie der gesellschaftliche Bodensatz. Das fand zumindest mein Hater, bis wir uns einmal unterhielten.
SeyedLOL
Ich sage natürlich nicht, dass man sich mit jedem unterhalten muss, der auf Facebook Hasskommentare schreibt. Gerade jetzt, wo in den Kommentarspalten von Online-Zeitungsartikeln und in (a)sozialen Netzwerken fast ungestraft gehetzt wird, gegen alles, was man nicht kennt, versteht, verstehen will oder was in der eigenen Phantasie eine Bedrohung darstellt. Blindem Hass kann man manchmal nur noch mit Humor begegnen, denn sonst gewinnt der Hater und eine weitere Person ist vom Hass angesteckt. Doch manchmal lohnt es sicht, den Dialog zu suchen, um den Standpunkt der anderen Person zu verstehen. Wenn mir jemand ankommt mit ,,Mir ist egal, was andere über mich denken“, dann finde ich das selbstbewusst… und auch etwas narzisstisch. Ab und zu sollte man sich schon einem Realitätscheck unterziehen, indem man sein Umfeld fragt: ,,Hey, bin ich gerade wieder ein Arschloch?“ Oder um es mit dem Stand-Up Comedian Louis C. K. zu sagen: „It’s not up to you, if you’re an asshole or not. It’s up to everybody else. You don’t get to say ’no‘ to that.“
Also, liebe Hass-Gemeinde, bevor ihr einen Artikel, Post, whatever kommentiert:
1. Habt ihr ihn gelesen?
2.Wovor habt ihr jetzt Angst? Vor Feminismus, dem Islam, Homosexualität?
3. Was wisst ihr darüber? Wahrscheinlich wenig. Aber wenn man freundlich fragt, bekommt man Antworten.
4. Bei sicheren Quellen erkundigen (KenFM, Politically Incorrect News etc. ist geschummelt).
Ihr wisst ja: Wer nicht fragt, bleibt dumm.

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