Der Jura-Dresscode

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Am Jurastudium interessiert mich natürlich am meisten das internationale Recht, Copyright in Zeiten von KI und der jeden Tag aufs neue überraschende Modestil meiner KommilitonInnen. Die Russinnen kamen heute mal wieder in Seidenpyjamas und Pelzmänteln in die Vorlesung, dabei ist es nicht mal kalt. Ich finde die Style-Orgien meiner KommilitonInnen allerdings überhaupt nicht bescheuert, sondern kreativ.

Was nervt, ist dieser internationale Justus-Kleidungskodex (Justus = Jurisprudence Students), an den sich hier besonders die Italiener und die Bayern halten: Markenklamotten, die den unschuldigen Betrachtern ihre Namen entgegenschreien. Da ist eine Kommilitonin, ich glaube, sie heißt Michael Kors. Steht zumindest überall auf ihr drauf. Dabei ist MK sowas von meine Marke. Jedenfalls würde sie mich wahrscheinlich als Zecke bezeichnen, wegen der lila Haare und dem blauen Lippenstift. Und ich sie als Basic Bitch, Rosegold Edition. Es gibt selbstverständlich auch super schön gestaltete, hochqualitativ verarbeitete Designersachen. Aber warum dann RANDOM FAMILIENDYNASTIE-NAME drüberschreiben? Das ist so eine unfreundliche Art, sich vorzustellen. Am besten sind natürlich die Klamotten, die schnell und billig produziert werden, durch Kinderarbeit und Chemiekeule, Material 100% knisternder Synthetik-Dreck… aber dann 1.500€ für nen Schlüpper blechen, damit auch ja irgendein Quatsch draufsteht. Ethisch korrekte Kleidung ist entweder teuer, hässlich oder beides, aber das ist auch schon ein paar Designern aufgefallen. Hoffentlich ändert sich also bald was daran. Solange kann man ja Second Hand kaufen.

Ein anderes Problem ist dieses lästige Kombinieren: In der Schule haben die Basic Bitches immer ihre Accessoires farblich abgestimmt, im eigenen Outfit oder sogar als Uniform für alle Mitglieder der Basic-Gilde. Darum und wegen der ebenfalls genormten Lektüre (Harry Potter, Twilight, Tintenherz, Fifty Shades of Grey) nannte ich sie die Norms. Klar, das gibt einem nun mal so ein gutes Gefühl von Zugehörigkeit. Scheiß auf Debattenkultur, es lebe der Mainstream!

Warum sich neuerdings alle Mädels die Augenbrauen mit mehr Augenbrauen übermalen, verstehe ich allerdings nicht so ganz. Vielleicht kann mir da Modebloggerin Maria P. helfen, für die ich mich auch mal gefragt habe, warum auf Norm-T-Shirts so Philosophisches geschrieben steht wie „California Yolo Club 79“. Aber zurück zum Justus-Dresscode.

Einen Jura-Master anzufagen mit nichts in der Tasche als einem Freelancer-Job und Bachelorabschluss in Kreativem Schwafeln ist natürlich irre, da ich meine spärliche Freizeit nun darauf verwende, Zusammenfassungen von Zusammenfassungen zusammenzufassen. ICJ case studies statt Essen, fuck yeah! So sehr ich mich auch für alternative Mode interessiere, habe ich daher keine Zeit, jeden Morgen wie eine lila Gothpunk-Elfe rumzulaufen, die gerade ihre Sailor Moon-Cosplay-Phase hat. Allein das Haarspray, diesen tonnenfachen CO²-Ausstoß verzeiht Dr. Dread mir nie! Drum habe ich ich entschieden, alle Schattierungen von Schwarz zu tragen. Es passt immer perfekt, zu jedem Anlass. So oft wie ich zu Begräbnissen und anderer existenzialistischer Kunstscheiße eingeladen werde, geht es gar nicht anders. Der klassische Justus hat natürlich alle Zeit der Welt für sein Styling. Das machen schließlich die Angestellten. Also, nicht das Styling, sondern das Studium. Hausarbeiten und Abschlussarbeiten kann man sich hier schreiben lassen, wenn die Kohle stimmt. Dann hat man so schön den Kopf frei. Hauptsache, die Frisur sitzt.

 

 

 

 

 

 

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