Über Korruption und Ausbeutung im deutschen Journalismus

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Vom Hobby zum Beruf und zurück. Das Buch „Wege in den Traumberuf Journalismus“ habe ich ironischerweise auf der Straße gefunden.

Als ich 2016 als Praktikantin beim Meinungsmedium Der Freitag anfing, hatte ich bereits viel journalistische Erfahrung gesammelt und konnte sofort mit der Recherche für meinen ersten Artikel loslegen. Ich hatte mich für ein Praktikum beim Freitag entschieden, weil ich für eine linke Zeitung schreiben wollte. Die taz Hamburg, bei der ich mich auch beworben hatte, verlangte einen Probetag, hätte mich aber gar nicht bezahlt. Beim Freitag bekam ich einen Lohn für jeden veröffentlichten Print-Artikel. Das bedeutete für mich: Keine Online-Artikel mehr, wenig Geld für Essen ausgeben, bei Freundesfreunden auf dem Sofa schlafen, und natürlich: unbezahlte Recherchearbeit. Weiterlesen »

Proteste im Iran (Zusammenfassung der letzten 3 Tage)

Seit Tagen protestiert das iranische Volk im ganzen Land gegen die Religionsführung und Regierung. So laut waren die Proteste seit der Grünen Bewegung 2009  nicht mehr. Damals hatten Hunderttausende gegen die Wiederwahl Mahmud Ahmadinedschads demonstriert und ihm Wahlbetrug vorgeworfen. Die Grüne Bewegung wurde damals brutal niedergeschlagen: Studierende wurden von Regierungstruppen gefoltert und ermordet, Überlebende flohen ins Exil. Wenn Menschen im Iran jetzt gegen das Regime auf die Straße gehen, dann wissen sie, auf was für ein Risiko sie sich einlassen. Aber sie tun es trotzdem und diesmal sind es sogar noch mehr als im Jahr 2009. Denn während die Proteste damals vor allem in der Hauptstadt Teheran stattfanden, geht jetzt das ganze Land auf die Barrikaden: In Ghom, Malayer, Teheran und anderen Städten skandierten DemonstrantInnen „Tod dem Diktator“ – ein Satz, der im Iran verboten ist und für den man hart bestraft wird.Weiterlesen »

Je suis Spelacchio – Rome, the failed city

 

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The symbol of everything what’s wrong with Rome: Spelacchio.

During Christian holidays, I usually work. But last night, I sat in a bar in Rome with F. and our Italian friend S. who is thinking about migrating to Canada. We talked about how we, master students of chemistry, engineering and law, will probably end up homeless soon. „In Italy, too many young people study law“, S. tells us. „My friend, who is a studied lawyer, works for… how do you call it when somebody cleans the streets?“ Southern Italy really needs help with its trash problem, anybody should join the working class – even when they just got in dept with a huge student loan to graduate from university like their parents wanted them to. The academic teaching here is excellent, but useless, because there are no jobs. Italy’s capital is in a major crisis and the new symbol of it is the poor Spelacchio.

Spelacchio is how the citizens of Rome named the Christmas tree of the city on the Piazza Venezia. It means something like shabby, sheared or threadbare. Spelacchio is an embarrassment for Italy, but especially for Rome and the city’s mayor Virginia Raggi.

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Italien ist ein Paradies, aber der Admin heißt Satan.

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Bacco rappresentato da Michelangelo Merisi. So sehen AbsolventInnen der Uni Roma 1 übrigens auch aus. Mit dunkleren Augenringen.

In Italien ist Weihnachten ein Extremsport. Während ich in Deutschland keine Probleme hatte, die eher zurückhaltend formulierte Frage  „Und was machst du so in den Ferien?“ zu beantworten, fragen mich italienische KommilitonInnen geradeheraus, warum ich nicht längst zu meiner Familie heimgeflogen bin. Ich habe inzwischen gemerkt, dass „Funkstille, tot, herz- oder geisteskrank“ eine zu ehrliche Antwort ist für das römisch-katholische Gemüt.  Die ItalienerInnen nehmen christliche Feiertage verdammt ernst. Erstens, weil man da frei hat. Zweitens, weil sich fast jede Feier mit zu viel Rotwein und Tiramisu ertragen lässt. Drittens: „Wir haben den Vatikan; wir haben den Paaaapst!“ (Das heulte meine ehemalige Mitbewohnerin in Bologna, als sie die Nachrichten zu den Paris-Attentaten im Fernsehen sah. Die Frau hat, äh, Prioritäten.) Unser Portier (ja, im Ghetto braucht man das und ja, er sortiert auch unsere Post) lässt gerade eine sperrige Krippe im Foyer aufbauen. F. ist derweil sehr skeptisch gegenüber der „Joseph“-Figur, weil Joseph im Islam Marias Vater ist oder so. Jedenfalls hatte Maria keinen Herrenbesuch und Jesus ist auch nur ein Prophet und nicht Gottes Sohn. Das würde Gott ja vermenschlichen. Damit haben die Römer natürlich kein Problem, die vermenschlichen Götter in ihren Sagen seit abertausenden von Jahren. Dieses Jahr feiert meine Kleinfamilie jedenfalls ausschließlich Bacco, den Gott des Weines.

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Bedrückende Versuche einer Zeitreise

Die Boulevardisierung und Verwässerung der Erinnerugskultur schreitet voran: Das Gruselkabinett als Alternative für Deutschland?

Beschmierte Gedenktafel in Aachen, 2014. Der/die Täter/in war sicher kein/e Orwell-Leser/in.

Die ZDF-Sendung Neo Magazin Royale ist bekannt für Jan Böhmermanns kluge Blödeleien und geschickt konstruierte Kontroversen. Die Folge vom 16. November war eine Satire im Dokumentationsstil, bei der Autor und Komiker Ralf Kabelka mit seiner authentisch wirkenden Neugier als Gegengewicht zu Böhmermanns Zynismus wirkte. Es ging um einen Themenpark, der 2023 eröffnen und die Nazizeit als Freizeitevent für die ganze Familie inszenieren sollte. Der Projektleiter des sogenannten Reichsparks, gespielt von Piet Fuchs, erklärt in Werbefilmchen und Interviews seine Vision von erlebbar gemachter Geschichte. Zwar mag es zur Schadenfreude anregen, dass Neo Magazin Royale erneut ein paar Voreilige an der Nase herumführen konnte. Doch besonders bedrückend sind die echten Reportage-Sequenzen.Weiterlesen »

Der Jura-Dresscode

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Am Jurastudium interessiert mich natürlich am meisten das internationale Recht, Copyright in Zeiten von KI und der jeden Tag aufs neue überraschende Modestil meiner KommilitonInnen. Die Russinnen kamen heute mal wieder in Seidenpyjamas und Pelzmänteln in die Vorlesung, dabei ist es nicht mal kalt. Ich finde die Style-Orgien meiner KommilitonInnen allerdings überhaupt nicht bescheuert, sondern kreativ.Weiterlesen »