Why we don’t need Social Media – but Social Media needs us

A personal odyssey through the ghost land of social media

 

Dear NSA,

I’m MK, 25 years old and I would describe myself as a sociable person. But you already know that, of course. I just wanted to tell you or any other person who might read this that I quit most of my social media, because it got really annoying. This „letter to the NSA“ is not a story about how I quit social media (because that can be done in a few seconds). It’s about why I started in the first place.Weiterlesen »

Iran Reisejournal – Teil 3: Massal, im grünen Nordiran

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7- 11. August:

Am Montag geht es noch auf einen Abstecher in die „Stadt des Tees“*, Lahijan, bevor wir unsere europäischen Freunde in Teheran aufgabeln werden. F. und ich erklimmen den Teufelsberg, der so heißt, weil man sich im Sommer die Fresse verbrennt, fast einen Kreislaufkollaps kriegt, und im Winter wahrscheinlich das Genick bricht, weil die Stufen vereist sind. Den ersten Abend nach der Anreise unserer Freunde verbringen wir auf dem Freiheitsplatz, wo auch die Grüne Revolution stattfand, und in einem nachts noch heimlich geöffneten Restaurant im „Elbenwald“. So nenne ich den märchenhaften Ort in Teheran, an dem sich Restaurants wie Baumhäuser zwischen Felsen, Wald und kleinen Wasserfällen übereinander stapeln. Endlich lerne ich F.s Kindheitsfreund M. persönlich kennen. M. spricht Deutsch und kämpft seit zwei Jahren mit österreichischen Behörden um sein Visum, da er schon längst von der Uni Wien angenommen wurde.Weiterlesen »

Iran Reisejournal- Teil 1: Teheran

Vom Bordstein zur Skyline… nee Spaß, ersaufe immer noch in Bafög-Schulden :D

 

Bei jedem Umzug werden es mehr Kisten voller Notizbücher und jedes Mal frage ich mich, warum ich mir das eigentlich antue. Genau dann, wenn ich es mit den Journalen endgültig sein lassen will, kommt aber ein neuer Schreibauftrag. Dieses Jahr reise ich zum ersten Mal in die Islamische Republik Iran und wurde im Vorfeld von einigen Leuten gebeten, meine Erlebnisse aufzuschreiben. Einen Zeitungsartikel hatte ich auch schon fertig, habe aus Gründen des Quellenschutzes allerdings eine Veröffentlichung blockiert, da die “Art Direction” Porträtfotos von einem anonymen Interviewpartner forderte. Wenn Menschen den Mut haben, mit AutorInnen / JournalistInnen offen und ehrlich über Missstände zu sprechen, die ein Regime totschweigt, soll man sie dann etwa aus Geldgier ins Messer laufen lassen? Ich werde mich also auf Fotos beschränken, mit denen die Porträtierten einverstanden sind und kürze Namen ab.Weiterlesen »

You’re an alien, I’m an elf and that is totally okay.

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© Ela Aram | All clothes designed by Ela Aram | unedited

Let me start this essay on the art of having your own style with a bit of drama, ok? Back in school people laught at me. Every. Single. Day. Because of my mohawk, the glossy black plateau boots, the blue and green lipstick, my self-made clothes and the ones I bought… Even at my „elf ear“, which is an especially dumb thing to do, because I didn’t choose it like an outfit, I was born with it. This story could go on over pages and pages full of self-pity and vengeance. But honestly, I never gave a fuck about those boring people. Peer-pressure created by the kids smoking at the school gate never worked for me and I’ll tell you why.

Even the ones who kicked me down to „prove“ that I couldn’t walk in those incredibly comfortable, though very high goth plateau boots I’ve had since I turned 15. And yeah, sure, I got a tattoo at 16 for the „attention“. Like being constantly touched and screamed at by strangers „Is this real or paint?!“ is something enjoyable. (By the way: Touching tattoos doesn’t make any sense, because the ink is approx. 3 millimeters under the skin, you dumb fucks can not feel a tattoo.) I still laugh about the nazis in our village who threatened to beat me up and rape me, because of my purple punk hairstyle. Also, getting called „anorexic“ by fat girls – gets me everytime. The most ridiculous guy in high school was probably the one who made fun of my big nerdy glasses just a year before nerd-glasses became popular and he started wearing them, too. Most people are scared of looking different, so they wait until something they secretly like becomes fashionable (again) and they can pull it off without being „the weird one“.Weiterlesen »

Hauptsache irgendwas ohne Kapitalismus

„Die beste Art, sich einen Anzug zu leisten, ist zu arbeiten.“
Emmanuel Macron zu französischen Gewerkschaftern

Foto: Claude Truong-Ngoc

Dass mein Termin beim Arbeitsamt für acht Uhr angesetzt ist, halte ich für eine nachträgliche Erziehungsmaßnahme. Dabei habe ich irgendwann im Zeitmagazin gelesen, dass zwei Drittel der Menschen in Deutschland „aufgrund ihres chronobiologischen Schlaf-Wach-Rhythmus am Abend nicht früh einschlafen. […] Die meisten Eulen gehen am liebsten zwischen 23:30 und 2:00 Uhr ins Bett und würden am liebsten morgens zwischen 7:30 und 9:30 Uhr aufstehen.“

„Na, da habense aber ne Marktlücke jefunden, Frau Kampwerth“, lacht die schweinchengesichtige Sachbearbeiterin mit den türkisen Pornoschaufelnägeln aus Acryl. ,,Ne Kneipe in Kölle eröffnen, Sie sind mir ja eine.“

Ich schiebe ihr meinen Lebenslauf durch die Lücke zwischen ihrem Schreibtisch und der dicken Glasscheibe zu, die uns voneinander trennt. Es hat nur zwei stadtbekannte Amokläufe gebraucht, um die Sicherheitsvorkehrungen im hiesigen Jobcenter zu verbessern. Ein Typ war spontan ausgeflippt, der andere hatte vorsorglich eine Axt mit zum Beratungsgespräch gebracht. Mir tun die Täter und Opfer in diesen Fällen gleichermaßen leid, weil sie doch beide nichts dafür können, dass Hartz IV scheiße ist und die meiste Arbeit auch nicht besser.

Jegliche Form von Arbeit, so mein ehemaliger Philosophielehrer, ist vergütete Vergewaltigung. Der arme Herr R. hasste seinen Beruf sehr. Aber irgendwie musste man nach dem Philosophiestudium seine Brötchen verdienen. Darum quälte er mit Vorliebe die Schülerinnen und Schüler, die in der Oberstufe noch so etwas wie Persönlichkeit übrig hatten.

„Ich könnte überall eine Kneipe eröffnen, nicht nur in Köln, Hamburg oder so. Zum Beispiel war ich für mein Nebenfach Politik längere Zeit in Italien. In den Steuerkram kann ich mich einlesen und eine Barkeeperausbildung habe ich.“

„Und wat könnense sonst so?“ Sie blättert schlampig durch meinen Lebenslauf. „Studiert hamse.“

„Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus.“

Sie tut so als hätte sie mich nicht gehört.

Ich wiederhole lauter: „Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus! Nebenfächer Rotwein, Hastemalblättchen und Kulturpolitik.“

Sie seufzt lange. Dann stellt sie die Frage, die jeder stellt, wenn es um meinen Bachelor geht:

„Und was macht man damit?“

„Ich habe als Journalistin gearbeitet.“

Gleichzeitig sagen wir: „Bei der Wirtschaftslage.“ In meinem Satz klingt ein bisschen Stolz durch, bei ihr eher die Einsicht, dass wir hier noch eine Weile sitzen werden.

Na los, denke ich, sag ihr schon, was sie hören will:

„Im fünften Semester habe ich ein Jobangebot von einer Werbeagentur bekommen. Ich hätte teure Designermöbel bewerben sollen, schicke Restaurants und irgendwelche neuen Apps. Die Bezahlung war auch nicht schlecht.“

„UND DA HABENSE UFFJEHÖRT?!“, jammert die Beamtin in Teilzeit und schlägt die türkiskralligen Hände über dem Kopf zusammen. Mein Lebenslauf flattert zu Boden.

„Das Ganze wäre unter dem Deckmantel Journalismus gelaufen. Sponsored Content, product placement, influencing und so. Ich kann das nicht mit meinem Gewissen vereinbaren.“

„Jewissen!“, jault sie auf. Idealistenpack versaute ihr zwei- bis dreimal am Tag die ersehnte Zigarettenpause. „Und was wollense nun machen, wenn nich Werbung?“

Ich denke kurz nach. Irgendwas, dass Sinn ergibt, irgendwas von Bedeutung, irgendwas… „Irgendwas ohne Kapitalismus“, sage ich schließlich.

Sie steht wortlos auf, schlägt ihren Kopf gegen die Glasscheibe, TONK, TONK, TONK. Dann setzt sie sich wieder und starrt mich schweigend an. Ihre zusammengekniffenen Augen sind jetzt winzigklein und die trockene Wimperntusche krümelt über ihr Gesicht, bis zur Nase, die wie ein Staubsauger den Schminkdreck schniefend einatmet und mit jedem genervten Seufzer wieder aus. Schließlich scheint sie eine Idee zu haben: „Se wollen inne Sozialbereich? Mit de Flüchtlinge und so? Könnense dene Deutsch beibringe.“

„Nicht nur denen.“

Erleichtert ruft sie: „Achtfuffzig die Stunde, aber ersma drei Monadde Pflichtprattikum! Den Personalussweis, bidde!“ Sie hackt ein paar Daten in den Computer, die sie falsch aus meinem Perso abschreibt, druckt den Wisch aus und reicht ihn mir.

„Haben Sie auch Arbeitsplätze, von denen man leben kann?“

„Was Sie alles woll‘n!“, lacht die Frau und gibt meinen Ausweis zurück. „Schönen Tach noch!“

Ich packe meine Sachen, stehe auf, habe meine Hand schon an der Türklinke, da drehe mich aber noch einmal zu ihr um, verfinstere meinen Blick und sage: „Sie werden schon sehen. In ein paar Jahren ist die Automatisierung der Arbeit so weit, dass Ihre Stelle komplett durch die ArbeitsagenturApp ersetzt wird. Dann werden Sie sich wünschen, Sie hätten irgendeine künstlerische Begabung, mit der Sie Ihre Zeit füllen können. Sie werden abstürzen und den Horror vacui erleben, von dem Nietzsche einst schrieb.“

„Wer?“

Wütend knalle ich die Tür hinter mir zu.

Im Wartebereich sitzt ein Besoffener mit Aldidas-Trainingsanzug über dem Bierbauch, Tränen in den Augen und Axt in der Lidl-Einkaufstasche. Ich nicke ihm freundlich zu.

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