Bedrückende Versuche einer Zeitreise

Die Boulevardisierung und Verwässerung der Erinnerugskultur schreitet voran: Das Gruselkabinett als Alternative für Deutschland?

Beschmierte Gedenktafel in Aachen, 2014. Der/die Täter/in war sicher kein/e Orwell-Leser/in.

Die ZDF-Sendung Neo Magazin Royale ist bekannt für Jan Böhmermanns kluge Blödeleien und geschickt konstruierte Kontroversen. Die Folge vom 16. November war eine Satire im Dokumentationsstil, bei der Autor und Komiker Ralf Kabelka mit seiner authentisch wirkenden Neugier als Gegengewicht zu Böhmermanns Zynismus wirkte. Es ging um einen Themenpark, der 2023 eröffnen und die Nazizeit als Freizeitevent für die ganze Familie inszenieren sollte. Der Projektleiter des sogenannten Reichsparks, gespielt von Piet Fuchs, erklärt in Werbefilmchen und Interviews seine Vision von erlebbar gemachter Geschichte. Zwar mag es zur Schadenfreude anregen, dass Neo Magazin Royale erneut ein paar Voreilige an der Nase herumführen konnte. Doch besonders bedrückend sind die echten Reportage-Sequenzen.Weiterlesen »

Der Jura-Dresscode

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Am Jurastudium interessiert mich natürlich am meisten das internationale Recht, Copyright in Zeiten von KI und der jeden Tag aufs neue überraschende Modestil meiner KommilitonInnen. Die Russinnen kamen heute mal wieder in Seidenpyjamas und Pelzmänteln in die Vorlesung, dabei ist es nicht mal kalt. Ich finde die Style-Orgien meiner KommilitonInnen allerdings überhaupt nicht bescheuert, sondern kreativ.Weiterlesen »

Why we don’t need Social Media – but Social Media needs us

A personal odyssey through the ghost land of social media

 

Dear NSA,

I’m MK, 25 years old and I would describe myself as a sociable person. But you already know that, of course. I just wanted to tell you or any other person who might read this that I quit most of my social media, because it got really annoying. This „letter to the NSA“ is not a story about how I quit social media (because that can be done in a few seconds). It’s about why I started in the first place.Weiterlesen »

Iran Reisejournal – Teil 3: Massal, im grünen Nordiran

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7- 11. August:

Am Montag geht es noch auf einen Abstecher in die „Stadt des Tees“*, Lahijan, bevor wir unsere europäischen Freunde in Teheran aufgabeln werden. F. und ich erklimmen den Teufelsberg, der so heißt, weil man sich im Sommer die Fresse verbrennt, fast einen Kreislaufkollaps kriegt, und im Winter wahrscheinlich das Genick bricht, weil die Stufen vereist sind. Den ersten Abend nach der Anreise unserer Freunde verbringen wir auf dem Freiheitsplatz, wo auch die Grüne Revolution stattfand, und in einem nachts noch heimlich geöffneten Restaurant im „Elbenwald“. So nenne ich den märchenhaften Ort in Teheran, an dem sich Restaurants wie Baumhäuser zwischen Felsen, Wald und kleinen Wasserfällen übereinander stapeln. Endlich lerne ich F.s Kindheitsfreund M. persönlich kennen. M. spricht Deutsch und kämpft seit zwei Jahren mit österreichischen Behörden um sein Visum, da er schon längst von der Uni Wien angenommen wurde.Weiterlesen »

Iran Reisejournal- Teil 1: Teheran

Vom Bordstein zur Skyline… nee Spaß, ersaufe immer noch in Bafög-Schulden :D

 

Bei jedem Umzug werden es mehr Kisten voller Notizbücher und jedes Mal frage ich mich, warum ich mir das eigentlich antue. Genau dann, wenn ich es mit den Journalen endgültig sein lassen will, kommt aber ein neuer Schreibauftrag. Dieses Jahr reise ich zum ersten Mal in die Islamische Republik Iran und wurde im Vorfeld von einigen Leuten gebeten, meine Erlebnisse aufzuschreiben. Einen Zeitungsartikel hatte ich auch schon fertig, habe aus Gründen des Quellenschutzes allerdings eine Veröffentlichung blockiert, da die “Art Direction” Porträtfotos von einem anonymen Interviewpartner forderte. Wenn Menschen den Mut haben, mit AutorInnen / JournalistInnen offen und ehrlich über Missstände zu sprechen, die ein Regime totschweigt, soll man sie dann etwa aus Geldgier ins Messer laufen lassen? Ich werde mich also auf Fotos beschränken, mit denen die Porträtierten einverstanden sind und kürze Namen ab.Weiterlesen »