Textwerkstatt Kölner Schmiede – Einladung zur Lesung im Literaturhaus

„Wofür ist die kleine Tür?“ Tilman Strasser: „Da kommen die schlechten Autoren rein.“

Sonntag, 13.01.2019 um 19:00 Uhr

Literaturhaus Köln | Großer Griechenmarkt 39 | 50676 Köln

Sechs Autor*innen, sechs Romane, sechs Monate gemeinsame Arbeit: Zum zweiten Mal tagte die Textwerkstatt Kölner Schmiede. Und präsentiert heute die Stimmen von morgen.

Aus rund 100 Einsendungen wählte die Kölner Schmiede sechs  Stipendiat*innen aus, im  Literaturhaus  über  ihre Texte zu diskutieren,  Einblicke  in  den  Literaturbetrieb  zu gewinnen, an ihren Poetiken zu feilen. Nun sind die Arbeiten ein intensives Halbjahr reifer – und die Werkstatt lädt zur Werkschau: Salvatore Calabrese lässt zwei Halbgeschwister das Joch einer schwäbisch-italienischen Küchendynastie tragen. Jess Cole führt eine freche Schnauze vom Volleyballfeld bis auf den Straßenstrich. Verena Keßler erkundet historische Abgründe der Stadt Demmin mit einer charismatischen Teenagerin. Mirjam Kay Mashkour schickt das Glamour-Paar einer SciFi-Welt zwischen Dystopie und Satire in die Krise. Daniel Mellem zählt den Countdown für die tragende wie tragische Gestalt der Raketenforschung herunter. Und Rina Schmeller bettet eine bewegende Beziehungsgeschichte in eine betörend karge Küstenlandschaft. Die Initiatoren, Dorian Steinhoff und Tilman Strasser, fragen nach der kniffligen Arbeit am ersten großen Projekt.

Mit freundlicher Unterstützung der Kunststiftung NRW und des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft NRW.

(Zitiert aus dem Programm des Literaturhauses Köln.)

Liebe Literaturnerds, FreundInnen, Verwandte & Bekannte,

wie manche von Euch bereits wissen, schreibe ich gerade im Rahmen der Textwerkstatt Kölner Schmiede an meinem Romanmanuskript. Nun möchte ich Euch gerne zur Lesung einladen. Wir sind sechs angehende Autor*innen und stellen am Sonntag, den 13. Januar 2019, um 18 Uhr im Literaturhaus Köln unsere Texte vor, jeweils zehn Minuten. Moderiert wird der Abend von den Autoren Tilman Strasser und Dorian Steinhoff. Für Speis und Trank wird gesorgt sein. Wer möchte, kann danach mit uns in den Montag reinfeiern 🙃 Mehr Informationen gibt es im Programm des Literaturhauses.

Eintrittskarten gibt es an der Abendkasse und hier. Die Gästelistenplätze sind begrenzt, also meldet Euch bitte vorab bei mir. Da ich kein Facebook & Co. nutze, wäre es toll, wenn ihr diese Einladung in sozialen Netzwerken teilen könntet. Frohe Feiertage und wir sehen uns bei der Lesung!

💜liche Grüße
MK


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Quasi ein Heimspiel: Endlich wieder in Kölle!

 

 

Hoffnun‘ für die Literatur: Stefanie Sargnagel & Puneh Ansari

Gleich zwei Freundinnen haben mir eine Eintrittskarte für die Lesungen meiner österreichischen Lieblingsautorinnen geschenkt. H.G. für Hannover und A.P. für Köln (im Befehlston: „MK, du musst Ende April in Köln sein, weil ich schon die Karte hab!“ ).

 Puneh Ansari ist eine Wiener Underground-Autorin. Sie schreibt vor allem auf Facebook, wie auch Stefanie Sargnagel. Ansaris Buch Hoffnun‘ ist im Verlag Mikrotext erschienen. Sie schlurft auf die Bühne und liest mit leicht kränkelnder Stimme trocken vom Blatt, Buch oder Handy ab. Am besten kommt  beim Publikum ihre Überlegung an, ob sie ein Kind bekommen solle, nur „um einen Tagesablauf zu haben“. Aber tausend Wochen ohne Drogen? Und sich alles aufreißen lassen bei der Geburt? Müsse sie sich da überhaupt schon festlegen, so im zarten Alter von Mitte dreißig? Ansari wirkt zurückhaltend, spricht langsam und bedacht, ihre Hände zittern beim Lesen. Fälschlicherweise könnte man annehmen, sie sei privat ein eher schüchternder Mensch. Dabei kann sie auch rotzbesoffen noch Israel/Palästina-Diskussionen führen und laut Sargnagel auch immer Bahnhof sowie Hotel in irgendeiner fremden Stadt wiederfinden. Den Anmachspruch „Wow, du bist Sozialistin? Ich bin Kommunistin!“ hab ich mir notiert.Weiterlesen »

Hollywood hin, Hollywood her

Carrie Fisher beweist posthum noch einmal ihren Humor.

 

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Carrie Fisher und Hund Gary Fisher auf Twitter.

Als Carrie Fisher für die Rolle der Prinzessin Leia gecastet wurde, war sie ein unsicherer Teenager, schwärmte für ihren viel älteren Schauspielkollegen Harrison Ford und wurde als eine der wenigen jungen Frauen am Set von der Filmcrew aufgezogen und belästigt. So schilderte Fisher es zumindest in ihrem biographischen Roman The Princess Diarist, der wenige Wochen vor ihrem plötzlichen Tod veröffentlicht worden war. Am 27. Dezember 2016 starb die Schauspielerin und Autorin Carrie Fisher im Alter von 60 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes. Die meisten Menschen kennen Fisher nur in der Rolle der Prinzessin Leia Organa, die sich in Star Wars den Rebellen anschließt, um die Imperialisten zu bekämpfen. Doch im wirklichen Leben war Fisher weitaus rebellischer als die Film-Prinzessin, denn sie wandte sich bewusst von den Eitelkeiten Hollywoods ab. Außerdem sprach sie später öffentlich über ihre bipolare Störung, um anderen Kranken Mut zu machen. Im vergangenen Jahr verlieh ihr die Harvard Universität den Annual Outstanding Lifetime Achievement Award in Cultural Humanism für ihren Aktivismus. Die Begründung: Sie habe mit Kreativität und Empathie den öffentlichen Diskurs über die Themen Sucht, psychische Krankheiten und Agnostizismus weitergebracht.

Wer die amerikanische Schauspielerin nicht nur wegen Star Wars mag, kennt sicherlich auch ihre Auftritte in Blues Brothers (1980) und Harry und Sally (1989). Es wäre jedoch ungerecht, Carrie Fisher nur mit Star Wars und ein paar anderen Filmen zu verbinden. Fisher war eine ausgesprochen hurmorvolle Autorin: Sie schrieb mehrere autobiographische und semi-autobiographische Romane, unter anderem Postcards from the Edge (1987) und Wishful Drinking (2008). Immer wieder machte sie sich über Hollywood lustig, thematisierte das harte Showgeschäft und ihre Drogensucht. „Es ist schön, aber es wiegt mehr als sie selbst.“ Das war Fishers Kommentar zu glamourösen Kleidern. Autogrammstunden, für die sie bezahlt wurde, verglich sie mit einem Lap Dance im Stripclub und Hollywood war für sie die „Celebrity Cafeteria“, in der man immer wieder ehemaligen Kollegen begegnete, die weiter „zerschmelzen“.

Zwischen 1991 und 2005 überarbeitete Fisher zahlreiche Drehbücher – auch für Geroge Lucas – und schreib für The Guardian eine Berater-Kolumne namens Advice from the dark side. Sie sprach offen und nie verbittert über problematische Themen wie Elektroschock-Therapie, tauchte bei Filmpremieren in Normalo-Kleidung statt Glitzerrobe auf und war einfach nicht die Hollywood-Diva, die sie hätte sein können. Stattdessen war sie authentisch.

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Carrie Fisher und Wim Wenders, 1978 (photo by Alan Light)

An ihre erste Schauspielrolle geriet Carrie Fisher wie die meisten: Durch Vitamin B. Ihre Mutter, Schauspielerin Debbie Reynolds, trat 1973 in dem Broadway-Stück Irene auf; die 15-jährige Carrie erhielt eine Nebenrolle. Reynolds und Fisher standen sich sehr nahe, was man auch in der Dokumentation über die beiden Schauspielerinnen sehen kann: Bright Lights: Starring Carrie Fisher and Debbie Reynolds (2016). Reynolds starb einen Tag nach ihrer Tochter an einem Schlaganfall. Mutter und Tochter wurden am 5. Januar 2017 nebeneinander im Forest Lawn Memorial Park, Hollywood Hills, beerdigt. Fisher, die für ihre Ehrlichkeit und ihren Humor bekannt war, riss posthum noch einen Witz: Sie wurde in einer Urne beigesetzt, die wie eine riesige Prozac-Pille aussieht. Prozac ist ein Antidepressivum, das Fisher wegen ihrer bipolaren Störung nahm.

Der von Disney aufgekaufte Star Wars-Franchise steht nun vor einem Dilemma: Soll die immer noch extrem beliebte Figur Leia Organa aus dem Drehbuch herausgeschrieben werden? Oder wird Carrie Fisher digital wiederauferstehen? Fest steht, dass die Star Wars-Filmreihe mit Carrie Fisher ihre wichtigste weibliche Darstellerin verloren hat. Und Hollywood eine kritische Kommentatorin.