Bologna für Bibliophile

Nach dem Shakespeare & Company Bookshop in Paris und dem Temple Bar Viertel in Dublin einer der besten Orte zum Schreiben, die ich je betreten habe.

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Nach einigen Minuten Anmeldungsbürokratie kann man in Ruhe arbeiten und studieren. Wer mit seinen Patschehändchen an Original-Bücher von Kopernikus & Co heranwill, wird jedoch enttäuscht.

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Die Universitätsstadt Bologna ist voll von wunderschönen Archiven, Bibliotheken und Lernsälen. Häufig finden Bücher- und Comicconventions statt. Wer kein Italienisch spricht, ist allerdings aufgeschmissen. Die meisten ItalienerInnen verstehen nämlich nur wenig bis gar kein Englisch, stattdessen wiederholen sie einfach lauter und schneller, was man vorher schon nicht verstanden hat.

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Die antiken Bücher werden selbstverständlich nicht ausgeliehen, aber man kann einen Blick hineinwerfen, wenn man sich an die Sicherheitsvorkehrungen hält und etwas Geduld mitbringt.
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Absolute Ruhe: In der Prüfungszeit ist so gut wie jedes Café in Bologna voll von paukenden Studierenden. Hier im Archiv kann man sich auch während der Klausurphase konzentrieren.

Übrigens: Die Italiener übertreiben es ein bisschen mit Ostern.

Happy Zomie Jesus Days to all readers!

Feels good to be home 💜🍷🐯

 

 

Demonstration: World Citizens against Nationalism

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Fotocollage: Demo-Organisator Farhad M. auf Instagram. Obwohl sich Presse und TV auf den Anti-Trump Aspekt der Demonstration konzentrierten, kritisierten die linken Gruppen auch Nationalismus in Europa, z.B. den Flüchtlingsdeal zwischen Deutschland und Türkei und die katastrophale Situation in griechischen Flüchtlingslagern.
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Dieser Herr hatte öffentlich angemerkt, die Demonstration habe keinen Sinn, da sie in einem Atomkrieg zwischen Iran und USA untergehen würde. Glücklicherweise ist dies und der von ihm ebenfalls prophezeite Dritte Weltkrieg ausgeblieben.
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Demo in Rom.  Foto: Farhad M.
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Demo in Rom. Foto: Farhad M.
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Allein in Bologna setzten 200 DemonstrantInnen ein Zeichen gegen Nazis. In Rom demonstrierten noch viel mehr Menschen und zwar vor der US-Botschaft, denn ihre Demo richtete sich insbesondere gegen Donald Trump.
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Auch der Bürgermeister von Bologna war anwesend. In Bologna warten viele internationale Studierende und Arbeitssuchende ein halbes Jahr oder länger auf ihre Aufenthaltsgenehmigung, die bei Erhalt fast oder schön länger abgelaufen ist. Für die „Geduldeten“ ist diese Situation finanziell und emotional sehr belastend, da sie beispielsweise nicht legal arbeiten oder nicht an Uni-Klausuren teilnehmen können, obwohl sie dafür qualifiziert sind und sich eingeschrieben bzw. erfolgreich beworben haben.
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Foto: Farhad M.
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Foto: Alessandro P.

Die Demonstrationen in Italien waren ein voller Erfolg und es sind weitere in Planung.

Pressespiegel:

La Repubblica über die Demo in Bologna (Artikel auf Italienisch)

Ansa über die Demo in Bologna (Artikel auf Italienisch)

Euronews (Pingback von Ansa) über die Demo in Bologna

 

 

Italy Trip: Firenze-Milano-Bologna

FLORENZ (FIRENZE)

Florenz ist hässlich. Obwohl KunsthistorikerInnen und TouristInnen das nicht anerkennen wollen. Sicherlich war Florenz zu Zeiten eines Voltaire oder Kleist wunderschön, aber jetzt ist die Stadt vor allem zugemüllt und fies. Das Erste, was man sieht, wenn man den Bahnhof verlässt: McDonald’s und eine Truppe Cops.

 

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MAILAND (MILANO)

 

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Che vita dificile! (Como Lake near Milano)
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And straight from Milano modelling school… my fiancé :D
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Modern utopia.
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Monday everything is closed, even the famous cemetery. Our host Antonello: „Monday is not a good day to die. Weekend, yes, but not Monday.“

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„Dirty nazi Salvini.“

 

Back to Bologna:

And now to the cat content: Penelope, queen of the Bologna apartment, is posh and crazy.

 

BolognaBlog: Potato-quality cellphone pictures of wonderful things and situations.

BolognaBlog: Wannabe Gangster Gunman

 

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04:45 p.m.

Spring in Bologna is like a fairytale. I’m lying in the grass in the park while the hippies and homeless next to me stop picking flowers, pack up their weed & start running from the screaming junkie who has a fucking real-looking gun. Everyone is leaving the park except for that idiot, his crew and a young couple because they are busy having sex. I flip the bird to the wannabe gangster gunman as soon as I notice he’s out of munition and continue to watch clouds & write. Cops are coming.Weiterlesen »

Bologna Journal: Be an Erasmus student, they said. It will be fun, they said.

Welcome to Political Sciences...
Foto: WG-Eigentum. Peinliche Herztasse und rosa Lampe: WG-Eigentum. Tattoos: The Sinner And The Saint. Make-Up Artist: Verzweiflung und Müdigkeit.

Falls meine LeserInnen [hey, ich hatte letztens 400 an einem Tag – war das ein Bot-Angriff?] sich fragen, warum gerade keine neuen Einträge bzw. Artikel kommen: An Ideen mangelt es nicht. Tut es nie.

Doch gerade singt in meinem Kopf die Flagge der NATO: „Oh, it’s a dirty job, but someone’s gotta do it…“

Mittlerweile bin ich mir sicher, dass es ein Anflug von Größenwahn war, der mich vor drei Monaten dazu  verleitet hat, ein Master-Seminar in Politikwissenschaft zu belegen. Die Lektüresammlung ist ein Backstein aus Oxford- und Cambridge-Texten. Ich bin Bachelor-Studentin in Kreativem Schreiben und Kulturjournalismus. Mein Gehirn ist darauf ausgerichtet, Zeug zu erfinden oder zu beschreiben, nicht abzuspeichern. Andererseits ist das Einarbeiten in fremde Themengebiete ja gerade das Geile an Journalismus und Literatur.

Vom Marshall Plan 1947 bis zur Flüchtlingskrise 2015 muss jetzt alles nicht nur rein, sondern auch sitzenbleiben wie fette, sture Punks bei der Straßenblockade. Zu spät merke ich, trotz dunkler Vorahnung, dass mein Nebenfach Kulturpolitik mich niemals auf das hier hätte vorbereiten können. Ich hätte jetzt echt gerne die Ritalin-Pillen, welche anscheinend die komplette Stufe 13 außer mir verschrieben bekommen hat, als damals vor den Abiprüfungen plötzlich alle gleichzeitig mit ADHS diagnostiziert wurden. Hach, Leistungsdruck, du süßer, du.

Obwohl die letzten Zeilen vor Selbstmitleid nur so triefen, bin ich eigentlich dankbar für diese Chance. Denn ich studiere quasi alles, was mich interessiert: Politik, Literatur, Journalismus, Kultur, Kunst, Sprachen, Geschichte… verdammt, ein Dozent hat es sogar geschafft, mich für Webdesign zu begeistern. In der Schule war Lernen Quälerei, jetzt ist es ein Geschenk. Eines, das ganz viele andere junge Menschen (vor allem Mädchen!) nicht bekommen, obwohl sie es bestimmt sehr viel mehr zu schätzen wüssten als ich und tatsächlich lernen würden, anstatt einen Blogeintrag darüber hinzuschmieren.

Im Hintergrund läuft gerade eine italienische Soap, in der eine besonders nervige Dramaqueen laut und durchgehend heult. Das Gehirn meiner Mitbewohnerin braucht Kurzurlaub, denn sie arbeitet ansonsten durchgehend an ihrem PhD in Chemie. Ich rede ihr und mir gerne ein, dass sie irgendwann Krebs heilen wird. You go, girl!

Während die Soap-Sirene also im Hintergrund heult, stolpere ich über Absätze wie diesen hier:

„In addition to gratitude for America’s security guarantee [US and Canada for NATO etc.] and the idea that some member states enjoy a ’special relationship‘ with the US, it explains why elites and public opinion in several European countries consider aligning themselves to American views and positions a normal reflex being part of their identity. It explains why practically every proposal for a common foreign policy initiative was and is reviewed by several EU member states against what could be called the ‚what do the Americans think?‘ test.“ – Keukeleire and Delreux in The Foreign Policy of the European Union (updated in 2014)

Oder diesen:

„[…] The values of solidarity, of tolerance, of inclusiveness, of compassion are an integral part of European integration. We cannot give up on them, especially now that ugly racist pulsions are surfacing again; and that fighting against poverty is becoming critically important to prevent whole societies falling prey to radical and terrorist tensions.“ – Javier Solana, 2002

„Well, that didn’t work.“ – Mkay, 2015

And with this… I’m out. Lernen und so.

PS: Ich glaube, die Dramaqueen hat soeben ihren Dramaking gefunden. Es läuft kitschige Fremdschäm-Musik. Wenn die mit Heiraten hinne machen, kann ich gleich in Ruhe weiterlesen.

Ein Erasmusstudium in Zeiten von Eurofaschismus.

Seit 2 Monaten studiere ich in Italien. Über mein Erasmus-Semester soll ich einen Bericht verfassen, der standardmäßig so aufgebaut ist: Es war sehr schön, ich kann es empfehlen, ich war auf vielen Partys, ein bisschen was gelernt habe ich auch, tolles Wetter, tolles Essen, Ende. Auf CyberpunkJournalism blogge ich seit knapp 5 Jahren vor allem über Kunst, Kultur und Politik. Warum nicht auch über Kunst, Kultur und Politik in Italien? Kunst und Kultur waren schon dran. Jetzt kommt das Thema, das anscheinend viele meiner Freunde langweilt. Zu unrecht. Denn Politik ist bestenfalls nichts weiter als organisierte Realitätsbewältigung und schlimmstenfalls sture Realitätsverweigerung, die unseren Alltag bestimmt.

Während meines Auslandssemesters in Bologna lerne ich natürlich brav Vokabeln. Eine neue Vokabel, die ich gestern gelernt habe, ist: Eurofascismo. Eurofaschismus heißt der Trend, dem immer mehr Menschen in Europa folgen, genau 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Sinn der Sache ist, grob zusammengefasst: Wieder mehr Nationalismus statt ein vereintes Europa. Also einen Schritt vor und dann so viele zurück wie möglich. Gestern war ich auf dem Piazza Maggiore, wo unter anderem Matteo Salvini eine Rede hielt. Das ausgerechnet Silvio Berlusconi dem Auftritt des Lega Nord-Politikers Salvini beiwohnte, ist kein gutes Omen…

Quasi Amici - Berlusconi e Salvini - Soppressatira
„Quasi amici“ scherzte die Webseite Soppressatira: Die Zusammenarbeit von Salvini und Berlusconi erinnert an den Film „Ziemlich beste Freunde“.

Der Polizeihubschrauber war so laut, dass ich morgens davon geweckt wurde, obwohl ich in Flughafennähe wohne, also mittlerweile ziemlich lärmresistent bin. Das stundenlange Surren schuf eine unheimliche, angespannte Atmosphäre.

Ein Polizeihubschrauber überwachte die (Gegen-)Demonstrationen und sorgte dank übertriebener Lautstärke für Kriegs-Feeling. Weiterlesen »