Bologna für Bibliophile

Nach dem Shakespeare & Company Bookshop in Paris und dem Temple Bar Viertel in Dublin einer der besten Orte zum Schreiben, die ich je betreten habe.

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Nach einigen Minuten Anmeldungsbürokratie kann man in Ruhe arbeiten und studieren. Wer mit seinen Patschehändchen an Original-Bücher von Kopernikus & Co heranwill, wird jedoch enttäuscht.

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Die Universitätsstadt Bologna ist voll von wunderschönen Archiven, Bibliotheken und Lernsälen. Häufig finden Bücher- und Comicconventions statt. Wer kein Italienisch spricht, ist allerdings aufgeschmissen. Die meisten ItalienerInnen verstehen nämlich nur wenig bis gar kein Englisch, stattdessen wiederholen sie einfach lauter und schneller, was man vorher schon nicht verstanden hat.

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Die antiken Bücher werden selbstverständlich nicht ausgeliehen, aber man kann einen Blick hineinwerfen, wenn man sich an die Sicherheitsvorkehrungen hält und etwas Geduld mitbringt.
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Absolute Ruhe: In der Prüfungszeit ist so gut wie jedes Café in Bologna voll von paukenden Studierenden. Hier im Archiv kann man sich auch während der Klausurphase konzentrieren.

Übrigens: Die Italiener übertreiben es ein bisschen mit Ostern.

Happy Zomie Jesus Days to all readers!

Feels good to be home 💜🍷🐯

 

 

Pulse of Europe – Demonstration in Aachen

 

Grenzpunkt Deutschland-Holland-Belgien: Aachener leben mitten in Westeuropa. Der sogenannte ,,Gottkanzler“ Martin Schulz kommt auch aus der Gegend (Würselen, um genau zu sein). Jeden Sonntag um 14 Uhr treffen sich AachenerInnen, um an der Bewegung Pulse of Europe teilzunehmen und damit ein Zeichen gegen Nationalismus zu setzen.

Dass die Bewegung eurozentristisch sei, ist eine Form von „mimimimi“, die ich häufig höre. Natürlich ist sie das. So wie die vielen Proteste gegen den sogenannten „Muslim Ban“ außen vor gelassen haben, dass Nicht-Muslime ebenfalls unter Trumps rassitischer Politik leiden.

Aber mit Europa können sich viel mehr Menschen identifizieren als mit dem Begriff „Weltenbürger“. Denn mal ehrlich, nicht alle Ex-Alkis aus Würselen und sonstigen Städtchen kommen so viel rum in der Welt wie Martin Schulz.

Ich empfehle allen (egal, ob aus Europa oder nicht), die gegen Nazis sind und nicht nur meckern, sondern etwas unternehmen wollen, zuerst das Manifest zu lesen und sich dann bei den Demos einzubringen. Wenn es noch keinen Ableger in Deiner Stadt gibt, kannst Du ja einen starten!

 

Ein Erasmusstudium in Zeiten von Eurofaschismus.

Seit 2 Monaten studiere ich in Italien. Über mein Erasmus-Semester soll ich einen Bericht verfassen, der standardmäßig so aufgebaut ist: Es war sehr schön, ich kann es empfehlen, ich war auf vielen Partys, ein bisschen was gelernt habe ich auch, tolles Wetter, tolles Essen, Ende. Auf CyberpunkJournalism blogge ich seit knapp 5 Jahren vor allem über Kunst, Kultur und Politik. Warum nicht auch über Kunst, Kultur und Politik in Italien? Kunst und Kultur waren schon dran. Jetzt kommt das Thema, das anscheinend viele meiner Freunde langweilt. Zu unrecht. Denn Politik ist bestenfalls nichts weiter als organisierte Realitätsbewältigung und schlimmstenfalls sture Realitätsverweigerung, die unseren Alltag bestimmt.

Während meines Auslandssemesters in Bologna lerne ich natürlich brav Vokabeln. Eine neue Vokabel, die ich gestern gelernt habe, ist: Eurofascismo. Eurofaschismus heißt der Trend, dem immer mehr Menschen in Europa folgen, genau 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Sinn der Sache ist, grob zusammengefasst: Wieder mehr Nationalismus statt ein vereintes Europa. Also einen Schritt vor und dann so viele zurück wie möglich. Gestern war ich auf dem Piazza Maggiore, wo unter anderem Matteo Salvini eine Rede hielt. Das ausgerechnet Silvio Berlusconi dem Auftritt des Lega Nord-Politikers Salvini beiwohnte, ist kein gutes Omen…

Quasi Amici - Berlusconi e Salvini - Soppressatira
„Quasi amici“ scherzte die Webseite Soppressatira: Die Zusammenarbeit von Salvini und Berlusconi erinnert an den Film „Ziemlich beste Freunde“.

Der Polizeihubschrauber war so laut, dass ich morgens davon geweckt wurde, obwohl ich in Flughafennähe wohne, also mittlerweile ziemlich lärmresistent bin. Das stundenlange Surren schuf eine unheimliche, angespannte Atmosphäre.

Ein Polizeihubschrauber überwachte die (Gegen-)Demonstrationen und sorgte dank übertriebener Lautstärke für Kriegs-Feeling. Weiterlesen »

Projekt Shelter Anywhere: Die Villa ist voll

(Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license)
(Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license)

Auf HousingAnywhere.com kann man seine Wohnung oder sein Zimmer vermieten und selbst eine Unterkunft suchen, zum Beispiel, wenn man ins Ausland gehen möchte oder ein Praktikum in einer anderen Stadt macht. Oder man will nicht nur für einen kurzen Zeitraum, sondern ganz wegziehen, weil es einem woanders besser gefällt oder man im Ausland einen Job gefunden hat.*

Jetzt hat Housing Anywhere das Start-Up Shelter Anywhere ins Leben gerufen: Studierende in ganz Europa können sich auf der Seite registrieren und ihre Wohnungen, WG-Zimmer oder wenigstens einen Schlafplatz auf dem Sofa geflüchteten Studierenden anbieten, die dringend eine Unterkunft benötigen.

Klingt einleuchtend:
Studierende, die bekanntlich am Wohnungsmarkt so richtig abgezockt werden, sollen sich mit Studierenden, die gar kein Dach mehr über dem Kopf haben, solidarisieren. Oft legt einem die Mietvertrag-Bürokratie dabei auch noch Steine in den Weg. Das Tolle an Shelter Anywhere ist, dass sich die InitiatorInnen keine Illusionen machen. Denn dann würden sie an Besserverdienende appellieren und nicht an deren Kinder sowie junge Leute, die von Darlehen und Nebenjobs leben.  Wer in einer Villa mit zwanzig Zimmern wohnt, wird sich höchstwahrscheinlich in einem davon verschanzen und hoffen, der Kelch möge an ihr/ihm vorüberziehen. Die restlichen neunzehn Zimmer braucht man ja dringend selbst. Wer eine Besenkammer fuer 450€ mietet, ist eher bereit, noch ein Bett hineinzustellen. In Deutschland etwas ungewohnt, aber in Italien nicht selten: Doppie, also ein kleines Zimmer mit zwei Betten drin.

Oh the irony!

Auch wenn das 20-Zimmer-Beispiel natürlich überspitzt ist, handelt es sich nicht um eine weitere linksextreme „Bonzen sind das Böse, ihre Autos abzufackeln hilft bestimmt“-Phantasie, sondern um traurige Realität. Siehe auch:
Die Kommentare dazu sind übrigens sehr amüsant. Oder sehr traurig. Je nachdem, ob man noch über Dummheit lachen kann (Eine Auswahl: „Diese Lügenmedien sind einfach nicht mehr zu ertragen!“, „Also ich wähle NPD…“, „Wir bezahlen Miete für so was – die nicht! Und die haben hier noch nichts geleistet.“)

Verwunderlich ist nur, dass auf Shelter Anywhere explizit Plätze für „student refugees“ gesucht werden. In der FAQ wird ja bereits angemerkt, dass die meisten all ihr Hab und Gut auf der Flucht zurücklassen mussten, weshalb sich gar nicht genau feststellen lässt, wer Student/in ist und wer nicht. Also warum diese Betonung? Halten sich StudentInnen für das Alpha und Omega und bleiben am liebsten unter sich? Es reicht doch, bei der Registrierung anzugeben: „Ich habe / wir haben Platz für…“ und dann entscheidet man selbst, mit wem man am besten klarkommt.

Hast DU einen freien Platz?

Mehr Informationen auf: Shelter Anywhere .

Wenn Mallorca Hell’s Angels, Ex-NPD-Chefs und dauerbesoffene Touristen aushält, kann alles andere nur besser werden.

* An dieser Stelle antifaschistische Grüße an den Hildesheimer Wirtschaftsflüchtling und Ex-NPD-Vorsitzenden Holger Apfel. (Witz nicht kapiert? Bitte hier entlang: FAZ: „Der rechtsextreme Ausländer: Ex-NPD-Chef serviert auf Mallorca“)

Informationen zur MK Europatour ;-)

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Liebe neue und alte Freunde (ihr wisst, wer ihr seid),
hier mal die Fakten zur MK Europa Tour, damit ich das nicht jeder/m einzeln mitteilen muss:

Im September ziehe ich nach Italien und ihr seid alle herzlich eingeladen, mich zu besuchen (vor allem Anfang Oktober). Weil ich viel herumreisen möchte, ist es aber wichtig, dass ihr mir rechtzeitig mitteilt, wann ihr herkommen wollt.

Die Weihnachtsferien werde ich voraussichtlich in Norddeutschland, dem Rheinland und in Paris verbringen. Weil zu Beginn der Ferien Star Wars VII Premiere hat, wird jede und jeder, die und den ich zu dieser Zeit treffe, zum Star Wars-Schauen genötigt. Im Kostüm natürlich. Das nur als Vorwarnung.

Außerdem versuche ich seit Monaten, meinen Arsch mal nach Wien / ganz Österreich zu bewegen (Looking at you, Exel und Mimi). In Irland und Polen war ich lange nicht mehr, also wenn jemand dorthin fliegt/trampt/wasauchimmer, dann lasst es mich wissen.

Noch habe ich keine Ahnung, wann ich zurückkomme, aber ich möchte mich sehr gerne noch ein bisschen dem Studium der brotlosen Kunst auf der wunderschönen Domäne Marienburg widmen. Im Gegensatz zu ein paar verwöhnten Deppen bin ich sehr dankbar dafür, eine solche Ausbildung genießen zu dürfen, bevor ich endgültig in der Gosse lande.

Für mich ist dieses Studium und die damit verbundene Reise eine große Sache, weil ich 1. den ganzen Tag das tun kann, was ich liebe und 2. jetzt auch noch dem fiesen deutschen Winter entfliehen kann. Ja, Italien ist nicht Australien (bäh, Riesenspinnen), aber für mich ist das etwas ganz Besonderes, weil ich während meiner Schulzeit schlicht und ergreifend zu broke war, um ein bisschen mehr von Europa zu sehen. Wenn ich es zeitlich hinbekomme, besuche ich auch mal den Laierkasten und die Echse im besetzten Viertel irgendwo in Spanien ;-)

Das Erasmus-Programm ist eine tolle Sache! Mit Deutschland konnte ich mich sowieso immer nur wenig identifizieren und fühle mich als Europäerin. Vielleicht liegt es nur daran, dass ich im Grenzgebiet Belgien/Deutschland/Niederlande aufgewachsen bin, vielleicht auch an meinen deutsch-polnischen und italienischen Vorfahren. Wie dem auch sei, ich freue mich auf eure Fressen und wünsche allen eine wunderschöne Zeit, was auch immer ihr tut. [Nur falls ihr plant, für RWE oder die EZB zu arbeiten, dann wünsche ich euch einen qualvollen Tod.]

Ich hoffe, dass Grenzen irgendwann Geschichte sind. Ein Hoch auf die europäische Freizügigkeit (im politischen und kulturellen Sinne)! 💖💖💖

MK

PS.: Vielen Dank für die epische Reunion-Party in der Öko-WG! Ich weiß kaum noch was davon, aber es waren angeblich knapp 65 Leute da, wtf!?

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Lasst uns alle zusammenschmeißen, das Egmont kaufen und dort wohnen :D
Put this in the MoMA!
Put this in the MoMA!

June MK überm AC Dom

"Betting on the muse" - Charles Bukowski (gestochen von Andreas Coenen)
„Betting on the muse“ – Charles Bukowski
(gestochen von Andreas Coenen)