Hoffnun‘ für die Literatur: Stefanie Sargnagel & Puneh Ansari

Gleich zwei Freundinnen haben mir eine Eintrittskarte für die Lesungen meiner österreichischen Lieblingsautorinnen geschenkt. H.G. für Hannover und A.P. für Köln (im Befehlston: „MK, du musst Ende April in Köln sein, weil ich schon die Karte hab!“ ).

 Puneh Ansari ist eine Wiener Underground-Autorin. Sie schreibt vor allem auf Facebook, wie auch Stefanie Sargnagel. Ansaris Buch Hoffnun‘ ist im Verlag Mikrotext erschienen. Sie schlurft auf die Bühne und liest mit leicht kränkelnder Stimme trocken vom Blatt, Buch oder Handy ab. Am besten kommt  beim Publikum ihre Überlegung an, ob sie ein Kind bekommen solle, nur „um einen Tagesablauf zu haben“. Aber tausend Wochen ohne Drogen? Und sich alles aufreißen lassen bei der Geburt? Müsse sie sich da überhaupt schon festlegen, so im zarten Alter von Mitte dreißig? Ansari wirkt zurückhaltend, spricht langsam und bedacht, ihre Hände zittern beim Lesen. Fälschlicherweise könnte man annehmen, sie sei privat ein eher schüchternder Mensch. Dabei kann sie auch rotzbesoffen noch Israel/Palästina-Diskussionen führen und laut Sargnagel auch immer Bahnhof sowie Hotel in irgendeiner fremden Stadt wiederfinden. Den Anmachspruch „Wow, du bist Sozialistin? Ich bin Kommunistin!“ hab ich mir notiert.Weiterlesen »

Du bist nur Deko.

Hostess Job1
Geistige Dauerunterforderung sieht auf Fotos ganz ok aus. [Wie immer: Miese Handykameraqualität statt Filter]
Zehn vor sechs. Mein Wecker klingelt. Ich bleibe den Regeln des Erasmus Student Network treu, also, liegen. Den Großteil der Nacht habe ich damit verbracht, YouTube-Videos von Hostessen auf Motorshows anzuschauen. Das lässt sich mit ein bisschen Wohlwollen als Recherche bezeichnen. Denn heute ist mein erster Tag als Hostess in Italien.
Lange habe ich überlegt, ob ich das wirklich machen soll. Ob ich das wirklich machen will. Denn ich bezeichne mich als Feministin, auch wenn ich der Emma-Redaktion mit fünfzehn mal beleidigt eine Mail geschrieben habe; auch wenn ich in Stripclubs gehe und „Pussy“ manchmal als Schimpfwort benutze. Mit dem Feminismus halte ich es wie die Autorin Chimamanda Adichie: “Feminist: A person who believes in the social, political and economic equality of the sexes”. Ich bewerfe auch Männer gerne mit fettigen zerknitterten Fake-Dollarscheinen, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet. Kurz gesagt: Ich bin weit davon entfernt, Feminismus „eklig“ zu finden, wenn ich hier mal meine Ex-Kommilitonin zitieren darf. Also warum ausgerechnet dieser Job? Ganz einfach: Ich wollte wissen, wie das so ist. Das Schöne an meinem Beruf ist ja, dass ich jeden Beruf kennenlernen und mich in jedes Thema einarbeiten kann. Ob ausversehen backstage auf der CeBIT oder nachts um vier am Steintor. Wie fühlt es sich denn an, nur die Dekoration für ein Produkt zu sein? Wenn man den ganzen Tag angestarrt wird als sei man ebenfalls käuflich?

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