MKolumne zum Karlsjahr in Aachen

Karl der Große – überinterpretiert und missverstanden

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Evil Karl aus der Printen-Hölle

Gestatten: Sachsenschlächter und frommer Christ. Halb-Analphabet und Bildungsreformator. Strenger Vater und maßloser Pimp.

Eine Spätsommernacht. Nach x Gläsern Wein wanke ich von der Ponte gen E-Brunnen durch die leeren Altstadt-Gassen. Das zur Fratze entstellte Konterfei Karls des Gruseligen starrt mich in hundertfacher Ausführung durch die Fenster der Bäckereien an. Sie sind einfach überall: Egal, ob als misslungenes Printenporträt, als humor- und fantasieloser „Karl der Kleine“-Cartoon oder wachend wie der Big Brother auf unzähligen Plakaten in der ganzen Stadt. Es gibt kein Entkommen! Wer zu fliehen versucht, stolpert höchstwahrscheinlich über ein bescheuertes Karlssiegel und verendet auf feinstem Aachener Kopfsteinpflaster mit extra großen Lücken und Kanten. Karl hat sogar seine eigene Armee: Im April standen fünfhundert rote und güldene Mini-Karls in Reih und Glied auf dem Katschhof. Die Installation „Mein Karl“ appellierte schamlos an das urdeutsche Verlangen nach Gartenzwergen, was manch einen sogar zum Diebstahl verleitete. Man muss den hässlichen Zwerg besitzen, ihm huldigen, ihn pflegen, damit er – sobald Gras über die Sache gewachsen ist – im Vorgarten stehen kann, auf dass die Nachbarn vor Neid verrecken! Weiterlesen „MKolumne zum Karlsjahr in Aachen“