Bela B auf der Lit.Cologne: Ob er schreiben kann, ist doch egal

Foto: Anna Pia Jordan-Bertinelli

Bela B hat ein Buch geschrieben. Da ich wie so viele andere mit seiner Musik aufgewachsen bin, fühlte ich mich dazu verpflichtet, seinem Debütroman „Scharnow“ eine Chance zu geben. Als eine, die selbst schon ein paar Publikationen auf dem Buckel hat und auch immer mal wieder Texte lektoriert, kritisiere ich aber innerlich an Belas Roman herum und erwarte vielleicht zu viel.

Dabei ist es doch völlig egal, ob Bela B ein guter Autor ist oder nicht. Denn er ist bereits als Musiker, Schauspieler und nicht zuletzt als Hörbuch- und Synchronsprecher erfolgreich. Vorlesen, das kann er. Die umfangreiche Elvis Presley-Biographie „Last Train to Memphis“ hat er eingelesen, John Nivens „Kill Your Friends“, den Mephisto aus „Urfaust“ gesprochen und viel mehr. Die Lit.Cologne 2019 ist deswegen auch nicht seine erste.

Das Literaturschiff ist voll, die Lesung selbstverständlich ausverkauft. Sabine Buss, ehemalige Verlegerin von Random House Audio, kündigt Bela B an. Marion und Aster sorgen für die Simultanübersetzung in Gebärdensprache. Besonders die Übersetzung der zahlreichen Fäkalwitze sorgt für Heiterkeit. Außerdem bedient sich Bela alberner Geräuscheffekte und präsentiert Bilder einiger seiner Buchfiguren, um unserer Phantasie auf die Sprünge zu helfen. Das Literaturschiff dreht während der Lesung eine Runde auf dem Rhein, was das Publikum vom Geschehen auf der Bühne ablenkt. Es wäre irgendwie schlauer gewesen, nach der Lesung die Bar wieder zu öffnen und dann loszufahren. Außer natürlich, man möchte die Leute schnell wieder loswerden.

Bela liest also aus seiner etwas verworrenen Geschichte über das Dorf Scharnow bei Berlin, über den „Pakt der Glücklichen“, ein blutrünstiges Buch, die Liebsgeschichte zwischen Praktikant Hamid und Manga-Mädchen Nami. Der Roman hat ein Dutzend Hauptfiguren, die mehr oder weniger ausgefeilt sind. Bela lässt anklingen, dass seine erste Lektorin Brigitte Helbing und auch der Verlagslektor bei Heyne Hardcore ein bisschen ErzieherInnen für ihn spielen mussten. Andererseits: Gibt es überhaupt AutorInnen, die ihre LektorInnen (und umgekehrt) nicht in den Wahnsinn treiben?

Nach der Lesung warten einige Fans am Rheinufer darauf, sich ihre Bücher von Bela signieren zu lassen und Fotos mit ihm zu machen. AP und ich wollen gerade Bier holen gehen, da kommt Bela doch aus dem Literaturschiff heraus. Er hätte es wahrscheinlich aussitzen können, aber der Mann muss auch irgendwann mal Feierabend haben. Pflichtbewusst signiert er Bücher, Karten und eine Bachelorarbeit. „Ich schreibe auch einen Roman“ , nuschle ich etwas verlegen. „Suche nen Verlag.“ „Da musst du mit ihm reden“, sagt Bela und stellt mir seinen Verleger vor. Der fragt mich, worum es in meinem Buch geht…

Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich mal neben Bela stehe und mich in dem Moment gar nicht so sehr für Bela interessiere. Dennoch lasse ich mir immer gerne von ihm vorlesen und bin gespannt, ob er einen zweiten Roman schreiben wird. Den Platz in der Bestsellerliste hat er ja sowieso sicher, weil er eben Bela ist.

Hoffnun‘ für die Literatur: Stefanie Sargnagel & Puneh Ansari

Gleich zwei Freundinnen haben mir eine Eintrittskarte für die Lesungen meiner österreichischen Lieblingsautorinnen geschenkt. H.G. für Hannover und A.P. für Köln (im Befehlston: „MK, du musst Ende April in Köln sein, weil ich schon die Karte hab!“ ).

 Puneh Ansari ist eine Wiener Underground-Autorin. Sie schreibt vor allem auf Facebook, wie auch Stefanie Sargnagel. Ansaris Buch Hoffnun‘ ist im Verlag Mikrotext erschienen. Sie schlurft auf die Bühne und liest mit leicht kränkelnder Stimme trocken vom Blatt, Buch oder Handy ab. Am besten kommt  beim Publikum ihre Überlegung an, ob sie ein Kind bekommen solle, nur „um einen Tagesablauf zu haben“. Aber tausend Wochen ohne Drogen? Und sich alles aufreißen lassen bei der Geburt? Müsse sie sich da überhaupt schon festlegen, so im zarten Alter von Mitte dreißig? Ansari wirkt zurückhaltend, spricht langsam und bedacht, ihre Hände zittern beim Lesen. Fälschlicherweise könnte man annehmen, sie sei privat ein eher schüchternder Mensch. Dabei kann sie auch rotzbesoffen noch Israel/Palästina-Diskussionen führen und laut Sargnagel auch immer Bahnhof sowie Hotel in irgendeiner fremden Stadt wiederfinden. Den Anmachspruch „Wow, du bist Sozialistin? Ich bin Kommunistin!“ hab ich mir notiert.Weiterlesen »