Why we don’t need Social Media – but Social Media needs us

A personal odyssey through the ghost land of social media

 

Dear NSA,

I’m MK, 25 years old and I would describe myself as a sociable person. But you already know that, of course. I just wanted to tell you or any other person who might read this that I quit most of my social media, because it got really annoying. This „letter to the NSA“ is not a story about how I quit social media (because that can be done in a few seconds). It’s about why I started in the first place.Weiterlesen »

Surveillance vs. Security – Glenn Greenwald und Edward Snowden auf der CeBIT 2015

Glenn Greenwald (vorne, zweiter von rechts) mit den anderen CeBIT-VIPs.
Glenn Greenwald (vorne, zweiter von rechts), Moderator Brent Goff (ganz links) und noch mehr CeBIT-VIPs.

Die CeBIT (Centrum für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation) ist die größte Messe für Informationstechnik weltweit. Man kann sich auf dem gigantischen Gelände in schwarzen Mercedes-Shuttles rumkutschieren lassen, sich zwischen all den Hallen und Technikständen verlaufen, mit kostenlosen Gimmicks und Schoki bestechen lassen oder im eigens für Muslime eingerichteten Raum neben der CenterStage zu Allah beten. Und wenn man so vercheckt ist wie ich, kann man den Presse- mit dem Backstagebereich verwechseln und plötzlich in einem Raum mit den Veranstaltern, Moderatoren und deren Gästen sitzen. Ich dache mir so: Play it cool. Die Security hat mich nur deshalb nicht rausgeworfen, weil ich irgendwie so wichtig geguckt habe wie alle anderen. Das habe ich in meinem Studium gelernt. Man muss irgendwie so tun als sei man wichtig. Viele meiner KommilitonInnen haben diese simple Strategie nach und nach perfektioniert.

Glenn Greenwald, New Yorker Anwalt und Journalist, veröffentlichte die ersten Dokumente im NSA-Skandal in Absprache mit Edward Snowden. Greenwald setzt sich für Pressefreiheit ein und bezeichnet sich selbst als Unterstützer der Demokratie. Er macht seinen LeserInnen klar, wie absurd es eigentlich ist, wenn die Regierung fast alles über uns weiß und wir kaum etwas über unsere Regierung. Meiner Meinung ist Greenwald einer der besten Journalisten unserer Zeit. Deshalb,  und weil er sich gerade konzentiert vorbereitete,  konnte ich ihn vor seinem Auftritt auch unmöglich von der Seite anlabern, obwohl er nur einen Meter entfernt von mir saß. Und natürlich, weil der Name Glenn Greenwald in meinem Gehirn manchmal zu Green Glennwald wird. Wie Green Lantern. Ihn versehentlich so anzuquatschen, das hätte ich mir nicht verziehen.

Falsche Neutralität

Kurz nach 17 Uhr beginnt das Gespräch. Moderator Brent Goff hat vorher noch ein kurzes Intro auf seine vorbereitende Lektüre gekritzelt. Nun sagt er Glenn Greenwald an und Edward Snowden, der sich eine halbe Stunde dazuschalten wird. Greenwald stellt klar: Was die NSA getan hat, ist ein Verbrechen. Und viele Journalisten haben gar nicht erst versucht, etwas dagegen zu unternehmen, obwohl eigentlich genau das ihr Job ist. Doch Greenwald, der unter anderem für The Guardian schreibt, weiß auch, dass guter Journalismus teuer ist. „If you want do real journalism, you need resources. People like editors […] and operational security.“ Journalismus mit Qualität ist eine Frage der Finanzierung. Und man muss verdammt vorsichtig sein, dass man sich nicht von den Falschen finanzieren lässt. Früher, so Greenwald, war Journalismus subjektiver. Mittlerweile ist Qualitätsjournalismus aber so neutral geworden, dass man niemandem mehr auf den Schlips tritt. Diese Über-Neutralität und Angst vor Beurteilung (trotz gründlicher Recherche) – das ist ein großes Problem.

Blamage für Deutschland

Kanzlerin Merkel hat die CeBIT vor drei Tagen eröffnet. Edward Snowden kann nur per Video zugeschaltet sein, weil ihm in Deutschland kein Asyl gewährt wurde. Greenwald ist der Meinung, dass Deutschland der freien Welt damit keinen Gefallen getan hat. Außerdem ist es doch wirklich eine Farce: Ausgerechnet von der russischen Regierung bekommt der Whistleblower Snowden Asyl und die lupenreinen Demokraten in Deutschland halten sich fein raus. Deutschland hat sehr von dem profitiert, was Edward Snowden getan hat, weiß Greenwald. Vielleicht mehr als jedes andere Land. Durch die von Snowden beschafften Dokumente erfuhr Angela Merkel überhaupt, dass auch sie von der NSA abgehört wird. Ich glaube, das von unserer Regierung immer noch verzweifelt gesuchte Wort ist: Danke.

„Nobody does that for kicks“

Edward Snowden schaltet sich dazu. Auf die Frage, ob er Russland verlassen und nach Amerika zurückkehren wolle, antwortet er: „I want to go home.“ Ob er Vertrauen in die USA habe, dass er zurückkommen könne, ohne eine größere Strafe zu erwarten? Vielleicht nur einen Tag im Gefängnis? Ein Tag Gefängnis, das klingt irgendwie absurd. Einige Journalisten grinsen. Edward Snowden würde eine lange Gefängnisstrafe erwarten, außerdem gibt es nicht gerade wenige Leute, die ihn für einen Verräter halten und lieber ganz von der Bildfläche verschwinden lassen wollen. „Ich habe alles verloren, was ich hatte“, gibt Snowden zu. Die Veröffentlichung der NSA-Dokumente habe sein Leben ruiniert und er habe das ganz bestimmt nicht für den „Kick“ getan, sondern für die huntertmilliarden überwachten Menschen. Trotz allem würde er es wieder tun. Dystopisch-beklemmend auch Snowdens Aussage: „They are looking for people who are ins this room right now.“ Denn wie Greenwald schon vorher klarstellte, ist die Strategie der NSA sehr leicht zusammenzufassen: „Collect all!“ Klingt nach Pokémon, oder? Nur viel, viel schlimmer. Es wird Zeit, dass auch Leute, für die das Internet, ähem, Neuland ist, sich mit Datenschutz befassen. Wer sich nicht wehrt, hat – meiner Meinung nach – sein/ihr Recht aufs Meckern über die Regierung verspielt.

mk

PS.: An dieser Stelle bedanke ich mich recht herzlich bei Herrn Söhngen und Frau Richter (Jasmin, nicht Tanja!) für den exzellenten Englischunterricht. Ich habe auf der CeBIT jedes Wort verstanden, obwohl ich noch nie länger als 5 Tage am Stück im englischsprachigen Ausland war und mich nicht daran erinnern kann, jemals Vokabeln gelernt zu haben. Also: Vielen Dank.

Edward Snowden schaltete sich gegen 17:30 Uhr live zu.
Edward Snowden schaltete sich gegen 17:30 Uhr live zu. Es gab viel Applaus, auch hinter der Bühne. Mein Fangirling beschränkte sich auf Glenn-Greenwald-Beim-Kuchen-Futtern-Anstarren.

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Schreiben im Jahr 2050

Die Seminare „Zukunft der Medien“, „Soziale Poetik – Wie wollen wir schreiben?“, „Online-Journalismus“ und „Politische Literatur der Gegenwart“ haben mich dazu inspiriert, mal mehr über das Schreiben im digitalen Zeitalter nachzudenken. Es geht hierbei nicht nur um Literatur, sondern auch um hingekritzelte Notizen und allgemein das Arbeiten mit Text.

Computergenerierte Lyrik wird immer besser

Auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse konnte man mit Hilfe eines Algorithmus „Brain Poetry“ verfassen: Gemessene Gehirnströme generieren Gedichte. Gedichtgeneratoren im Internet (die meisten gibt’s auf Englisch) „verfassen“ Zeilen wie:
– Good things only happen to Cher
– A wounded deer leaps highest
– Du entzückst nur schales Bier
– Those lemmings! That awkward tea!
Seiten wie „Bot or Not“ lassen die LeserInnen raten, ob es sich um von Menschen ausgedachte oder computergenerierte Gedichte handelt. Obwohl das eine ganz schön kniffelige Angelegenheit sein kann: Computerprogramme haben noch keine Dichterin und keinen Dichter ersetzt. Um pseudokreativ zu schreiben, müssen die Programme erst einmal mit Daten gefüttert werden. Dazu später mehr. Im Folgenden geht es vor allem darum, wie die Technik das Schreiben (und Lesen und Lektorieren) vereinfachen kann, anstatt es zu zerstören.

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„Literminator“-Lesung in Hildesheim, bei der computergenerierte Gedichte gegen Autorengedichte antraten – und der Computer gewann.

Smartpens: Verbindung zwischen analog und digital

Smartpens, also digitale Kugelschreiber, bekommt man heutzutage sogar bei Tchibo und ähnlichen Läden. Die billigen Versionen können nicht viel, aber wer 150 – 170€ investiert, kann einen mit Apple-Geräten kompatiblen Smartpen erstehen, der auch über Handschrifterkennungssoftware verfügt. Handschrifterkennungssoftware für den privaten Gebrauch ist noch nicht besonders weit entwickelt. Wenn man sich jedoch die Mühe macht, das Wörterbuch immer wieder zu erweitern, bedeutet das: Nie wieder Notizen abtippen, nie wieder scannen.

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Wer gerne klassisch Manuskripte schreibt, anstatt auf Tastaturen herumzuhacken oder Touchscreens zu streicheln, wird sich mit Hilfe eines Smartpens viel nervige Arbeit ersparen. Das gilt natürlich nicht nur für AutorInnen oder JournalistInnen. Studierende und Profs können zum Beispiel handschriftlich verfasste Konzepte ohne nerviges Scannen, Umwandeln etc. in eine Präsentation einbinden und viel mehr. Weil man heutzutage eigentlich nur noch Klausuren und das eigene Testament handschriftlich verfassen muss, ist ein Smartpen inklusive Software eine gute Investition. Man sollte nur darauf achten, dass man nicht versehentlich das private Tagebuch in die Cloud hochlädt. Sowas kann unter Umständen peinlicher werden als jedes Handykamera-Selbstporträt (jup, ich weigere mich, „Selfie“ als ein Wort anzuerkennen).

Drucken ist Verschwendung und Verarsche

Ein Tablet-Notebook-Hybrid ist eigentlich nichts anderes als ein ziemlich kleiner und ziemlich leichter (ca. 1 kg) Computer, dessen Tastatur sich abtrennen lässt. Nichts besonderes also. Überrascht war ich, wie bequem es sich mit diesen Teilen lesen lässt: Man kann per „Steuerung + find“ schnell einen bestimmten Begriff oder Absatz finden, was vor allem beim Lektorat oder in Seminaren viel Sucherei erspart und wenn man beim Frühstück Zeitung lesen will, muss man diese nicht über Tisch und Teller ausbreiten, bis sie mit einer Ecke im Müsli hängt.

Früher habe ich alle Seminartexte brav ausgedruckt, abgeheftet, Zeilen markiert und kommentiert. Aber dann wurde der Druckkostenzuschuss abgeschafft (bei dieser Gelegenheit noch einmal herzlichen Dank an den AStA) und ich musste plötzlich Unsummen für Druckerpatronen blechen. Bekanntlich kosten die Originalpatronen der Druckerhersteller irrwitzig viel Geld, obwohl die Druckqualität vergleichsweise mies ist. Man kann sich die Patronen natürlich auffüllen lassen oder No-Name-Marken kaufen, aber weil das den Druckerherstellern auch schon aufgefallen ist, haben sie sich was ganz Schlaues überlegt: Wer nicht mit Originalpatronen druckt, verliert die Garantie und bei den neueren Druckern werden nicht-markeneigene Patronen sogar nicht mehr erkannt und der Druckvorgang blockiert. Das ist Kundenverarsche hoch zehn, weshalb viele schon den Tintenstrahldruckern abgeschworen haben und sich teure Laserdrucker zulegen. Oder man geht eben in den Copyshop. Weil es da so schön ist und das auch gar nicht viel Zeit raubt und die Bedienung so scheißfreundlich ist.

Dabei kann man auf einem Notebook bzw. Tablet super bequem Texte lesen, markieren, kommentieren uvm. So bereite ich mich zum Beispiel auf ein Seminar vor. Während des Seminars schreibe ich in ein stinknormales Heft oder einen Block. Mit handschriftlichen Notizen kann man gut lernen, weil das böse Internet dann nicht so ablenkt (dafür gibt es allerdings auch Leechblock –> Lockdown für alle Zeitfresser-Seiten wie 9Gag,Tumblr, YouTube etc.). Hausarbeiten kann man direkt auf dem Notebook oder mit Smartpen schreiben. So drucke ich heute nur noch Texte aus, wenn es gar nicht anders geht. Manchmal will man ein Script eben mit verschiedenen Stiften vollkritzeln, irgendeinen Scheiß an den Rand malen und nicht nur durchscrollen. Wenn es nach mir ginge, gäbe es nur noch handschriftliche Texte und digitale. Außerdem sollten beide Formen nicht koexistieren, sondern eine Symbiose bilden, die durch Smartpens schon angedeutet wird. So wie Musiknerds sich ihre Lieblingsalben auf dem kratzigen Plattenspieler anhören, obwohl sie sie als MP3-Dateien auf dem Computer haben.

Wegwerfgedanken
Manche Gedanken kann man ruhig für sich behalten.

Tagebuchschreiben als Protest
gegen Datenkraken und Mitteilungssucht

Handschriftliche Texte sind ein unausgesprochenes FUCK YOU an NSA, BND & Co. Wie Winston Smith aus „1984“, der heimlich sein Tagebuch schreibt, in welchem seine Gedanken nur ihm selbst gehören und später vielleicht einmal, so hofft er, einer Generation übermittelt werden, die ohne Totalüberwachung lebt. 2014 ist die Dystopie Wirklichkeit: Facebook gibt Daten an die Polizei heraus, berichtete z.B. der Deutschlandfunk. Da reicht ein dämlicher Post wie „Boah, bin ich high“ für ’nen Akteneintrag. Google verdient sich eine goldene Nase mit deinen Daten. Man hört heutzutage immer nur „Daten“, als wären das ein paar Zahlen. Es sind aber Bewegungsprofile, Kaufverhalten, sogar die privatesten Gespräche und Emotionen, an denen die Datenkraken interessiert sind. Welches Gefühl bewirkt welches Verhalten und umgekehrt? Mit Psychologie kann man verdammt viel Kohle machen. Und mit Datenklau.

Schreib‘ doch heute mal nicht bei Facebook, dass du im Park joggen warst. Das interessiert deine Freunde nicht. Wenn du besonders stolz auf dein Abendessen bist, dann notier‘ dir das Rezept und mach‘ kein Foto davon. Das interessiert nämlich keinen. Und wenn du der Welt nur mitzuteilen hast, dass du cool bist oder schlau oder hübsch oder reich oder vegan oder verliebt, dann brauchst du dafür keine eigene Website!

Lesung mit Smartpen-Kommentaren live im Hintergrund
Lesung mit Smartpen-Kommentaren live im Hintergrund