Demonstration: World Citizens against Nationalism

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Fotocollage: Demo-Organisator Farhad M. auf Instagram. Obwohl sich Presse und TV auf den Anti-Trump Aspekt der Demonstration konzentrierten, kritisierten die linken Gruppen auch Nationalismus in Europa, z.B. den Flüchtlingsdeal zwischen Deutschland und Türkei und die katastrophale Situation in griechischen Flüchtlingslagern.
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Dieser Herr hatte öffentlich angemerkt, die Demonstration habe keinen Sinn, da sie in einem Atomkrieg zwischen Iran und USA untergehen würde. Glücklicherweise ist dies und der von ihm ebenfalls prophezeite Dritte Weltkrieg ausgeblieben.
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Demo in Rom.  Foto: Farhad M.
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Demo in Rom. Foto: Farhad M.
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Allein in Bologna setzten 200 DemonstrantInnen ein Zeichen gegen Nazis. In Rom demonstrierten noch viel mehr Menschen und zwar vor der US-Botschaft, denn ihre Demo richtete sich insbesondere gegen Donald Trump.
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Auch der Bürgermeister von Bologna war anwesend. In Bologna warten viele internationale Studierende und Arbeitssuchende ein halbes Jahr oder länger auf ihre Aufenthaltsgenehmigung, die bei Erhalt fast oder schön länger abgelaufen ist. Für die „Geduldeten“ ist diese Situation finanziell und emotional sehr belastend, da sie beispielsweise nicht legal arbeiten oder nicht an Uni-Klausuren teilnehmen können, obwohl sie dafür qualifiziert sind und sich eingeschrieben bzw. erfolgreich beworben haben.
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Foto: Farhad M.
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Foto: Alessandro P.

Die Demonstrationen in Italien waren ein voller Erfolg und es sind weitere in Planung.

Pressespiegel:

La Repubblica über die Demo in Bologna (Artikel auf Italienisch)

Ansa über die Demo in Bologna (Artikel auf Italienisch)

Euronews (Pingback von Ansa) über die Demo in Bologna

 

 

Ein Erasmusstudium in Zeiten von Eurofaschismus.

Seit 2 Monaten studiere ich in Italien. Über mein Erasmus-Semester soll ich einen Bericht verfassen, der standardmäßig so aufgebaut ist: Es war sehr schön, ich kann es empfehlen, ich war auf vielen Partys, ein bisschen was gelernt habe ich auch, tolles Wetter, tolles Essen, Ende. Auf CyberpunkJournalism blogge ich seit knapp 5 Jahren vor allem über Kunst, Kultur und Politik. Warum nicht auch über Kunst, Kultur und Politik in Italien? Kunst und Kultur waren schon dran. Jetzt kommt das Thema, das anscheinend viele meiner Freunde langweilt. Zu unrecht. Denn Politik ist bestenfalls nichts weiter als organisierte Realitätsbewältigung und schlimmstenfalls sture Realitätsverweigerung, die unseren Alltag bestimmt.

Während meines Auslandssemesters in Bologna lerne ich natürlich brav Vokabeln. Eine neue Vokabel, die ich gestern gelernt habe, ist: Eurofascismo. Eurofaschismus heißt der Trend, dem immer mehr Menschen in Europa folgen, genau 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Sinn der Sache ist, grob zusammengefasst: Wieder mehr Nationalismus statt ein vereintes Europa. Also einen Schritt vor und dann so viele zurück wie möglich. Gestern war ich auf dem Piazza Maggiore, wo unter anderem Matteo Salvini eine Rede hielt. Das ausgerechnet Silvio Berlusconi dem Auftritt des Lega Nord-Politikers Salvini beiwohnte, ist kein gutes Omen…

Quasi Amici - Berlusconi e Salvini - Soppressatira
„Quasi amici“ scherzte die Webseite Soppressatira: Die Zusammenarbeit von Salvini und Berlusconi erinnert an den Film „Ziemlich beste Freunde“.

Der Polizeihubschrauber war so laut, dass ich morgens davon geweckt wurde, obwohl ich in Flughafennähe wohne, also mittlerweile ziemlich lärmresistent bin. Das stundenlange Surren schuf eine unheimliche, angespannte Atmosphäre.

Ein Polizeihubschrauber überwachte die (Gegen-)Demonstrationen und sorgte dank übertriebener Lautstärke für Kriegs-Feeling. Weiterlesen »

Projekt Shelter Anywhere: Die Villa ist voll

(Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license)
(Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license)

Auf HousingAnywhere.com kann man seine Wohnung oder sein Zimmer vermieten und selbst eine Unterkunft suchen, zum Beispiel, wenn man ins Ausland gehen möchte oder ein Praktikum in einer anderen Stadt macht. Oder man will nicht nur für einen kurzen Zeitraum, sondern ganz wegziehen, weil es einem woanders besser gefällt oder man im Ausland einen Job gefunden hat.*

Jetzt hat Housing Anywhere das Start-Up Shelter Anywhere ins Leben gerufen: Studierende in ganz Europa können sich auf der Seite registrieren und ihre Wohnungen, WG-Zimmer oder wenigstens einen Schlafplatz auf dem Sofa geflüchteten Studierenden anbieten, die dringend eine Unterkunft benötigen.

Klingt einleuchtend:
Studierende, die bekanntlich am Wohnungsmarkt so richtig abgezockt werden, sollen sich mit Studierenden, die gar kein Dach mehr über dem Kopf haben, solidarisieren. Oft legt einem die Mietvertrag-Bürokratie dabei auch noch Steine in den Weg. Das Tolle an Shelter Anywhere ist, dass sich die InitiatorInnen keine Illusionen machen. Denn dann würden sie an Besserverdienende appellieren und nicht an deren Kinder sowie junge Leute, die von Darlehen und Nebenjobs leben.  Wer in einer Villa mit zwanzig Zimmern wohnt, wird sich höchstwahrscheinlich in einem davon verschanzen und hoffen, der Kelch möge an ihr/ihm vorüberziehen. Die restlichen neunzehn Zimmer braucht man ja dringend selbst. Wer eine Besenkammer fuer 450€ mietet, ist eher bereit, noch ein Bett hineinzustellen. In Deutschland etwas ungewohnt, aber in Italien nicht selten: Doppie, also ein kleines Zimmer mit zwei Betten drin.

Oh the irony!

Auch wenn das 20-Zimmer-Beispiel natürlich überspitzt ist, handelt es sich nicht um eine weitere linksextreme „Bonzen sind das Böse, ihre Autos abzufackeln hilft bestimmt“-Phantasie, sondern um traurige Realität. Siehe auch:
Die Kommentare dazu sind übrigens sehr amüsant. Oder sehr traurig. Je nachdem, ob man noch über Dummheit lachen kann (Eine Auswahl: „Diese Lügenmedien sind einfach nicht mehr zu ertragen!“, „Also ich wähle NPD…“, „Wir bezahlen Miete für so was – die nicht! Und die haben hier noch nichts geleistet.“)

Verwunderlich ist nur, dass auf Shelter Anywhere explizit Plätze für „student refugees“ gesucht werden. In der FAQ wird ja bereits angemerkt, dass die meisten all ihr Hab und Gut auf der Flucht zurücklassen mussten, weshalb sich gar nicht genau feststellen lässt, wer Student/in ist und wer nicht. Also warum diese Betonung? Halten sich StudentInnen für das Alpha und Omega und bleiben am liebsten unter sich? Es reicht doch, bei der Registrierung anzugeben: „Ich habe / wir haben Platz für…“ und dann entscheidet man selbst, mit wem man am besten klarkommt.

Hast DU einen freien Platz?

Mehr Informationen auf: Shelter Anywhere .

Wenn Mallorca Hell’s Angels, Ex-NPD-Chefs und dauerbesoffene Touristen aushält, kann alles andere nur besser werden.

* An dieser Stelle antifaschistische Grüße an den Hildesheimer Wirtschaftsflüchtling und Ex-NPD-Vorsitzenden Holger Apfel. (Witz nicht kapiert? Bitte hier entlang: FAZ: „Der rechtsextreme Ausländer: Ex-NPD-Chef serviert auf Mallorca“)