Italien ist ein Paradies, aber der Admin heißt Satan.

514px-Michelangelo_Caravaggio_007
Bacco rappresentato da Michelangelo Merisi. So sehen AbsolventInnen der Uni Roma 1 übrigens auch aus. Mit dunkleren Augenringen.

In Italien ist Weihnachten ein Extremsport. Während ich in Deutschland keine Probleme hatte, die eher zurückhaltend formulierte Frage  „Und was machst du so in den Ferien?“ zu beantworten, fragen mich italienische KommilitonInnen geradeheraus, warum ich nicht längst zu meiner Familie heimgeflogen bin. Ich habe inzwischen gemerkt, dass „Funkstille, tot, herz- oder geisteskrank“ eine zu ehrliche Antwort ist für das römisch-katholische Gemüt.  Die ItalienerInnen nehmen christliche Feiertage verdammt ernst. Erstens, weil man da frei hat. Zweitens, weil sich fast jede Feier mit zu viel Rotwein und Tiramisu ertragen lässt. Drittens: „Wir haben den Vatikan; wir haben den Paaaapst!“ (Das heulte meine ehemalige Mitbewohnerin in Bologna, als sie die Nachrichten zu den Paris-Attentaten im Fernsehen sah. Die Frau hat, äh, Prioritäten.) Unser Portier (ja, im Ghetto braucht man das und ja, er sortiert auch unsere Post) lässt gerade eine sperrige Krippe im Foyer aufbauen. F. ist derweil sehr skeptisch gegenüber der „Joseph“-Figur, weil Joseph im Islam Marias Vater ist oder so. Jedenfalls hatte Maria keinen Herrenbesuch und Jesus ist auch nur ein Prophet und nicht Gottes Sohn. Das würde Gott ja vermenschlichen. Damit haben die Römer natürlich kein Problem, die vermenschlichen Götter in ihren Sagen seit abertausenden von Jahren. Dieses Jahr feiert meine Kleinfamilie jedenfalls ausschließlich Bacco, den Gott des Weines.

Weiterlesen »

Iran Reisejournal- Teil 1: Teheran

Vom Bordstein zur Skyline… nee Spaß, ersaufe immer noch in Bafög-Schulden :D

 

Bei jedem Umzug werden es mehr Kisten voller Notizbücher und jedes Mal frage ich mich, warum ich mir das eigentlich antue. Genau dann, wenn ich es mit den Journalen endgültig sein lassen will, kommt aber ein neuer Schreibauftrag. Dieses Jahr reise ich zum ersten Mal in die Islamische Republik Iran und wurde im Vorfeld von einigen Leuten gebeten, meine Erlebnisse aufzuschreiben. Einen Zeitungsartikel hatte ich auch schon fertig, habe aus Gründen des Quellenschutzes allerdings eine Veröffentlichung blockiert, da die “Art Direction” Porträtfotos von einem anonymen Interviewpartner forderte. Wenn Menschen den Mut haben, mit AutorInnen / JournalistInnen offen und ehrlich über Missstände zu sprechen, die ein Regime totschweigt, soll man sie dann etwa aus Geldgier ins Messer laufen lassen? Ich werde mich also auf Fotos beschränken, mit denen die Porträtierten einverstanden sind und kürze Namen ab.Weiterlesen »