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insomnia urbana

I. Schuhhaus Marx

Im Schaufenster des Schuhhauses Marx steht immer dasselbe staubige Paar Schuhe. Manchmal brennt im Hinterzimmer Licht und ich stelle mir vor, dass sich im Schuhhaus Marx heimlich Marxist*innen treffen, um große Pläne zu schmieden. Es geht um Theorie und um Praxis, um Wirtschaft, Soziales, Guerillataktik… Scha-hatz, gehst du mit mir Schuhe kaufen?

II. Der Vermieter

Ein Altbau sollte es sein. Wegen der Jugendstilfassade und der hohen Decken. Hoch war auch die Miete, für ein Zimmer an der Autobahn. Doch es würde nicht allein der Lärm sein, der mir den Schlaf rauben sollte.

„Meine Eltern haben das Haus direkt nach dem Krieg übernommen“, sagte der Vermieter und reichte mir die leise klingelnden Schlüssel. „Es schien niemandem gehört zu haben.“

Draußen glänzen die Stolpersteine im Regen. Ich achte darauf, dass ich niemals auf sie trete (lächerlich, denn der Fluch kam schon mit den Schlüsseln). Nachts schreibe ich Geschichten und vermisse meine Träume.