Ending not mending – Ausstellung „Fast Fashion“ in Hamburg

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„Ich möchte, dass die Leute die wahren Kosten dieser Kleidungsstücke kennen, im Zusammenhang mit den Opfern, die wir für deren Produktion bringen.“ Marta, ehemalige Arbeiterin in einer Kleidungsfabrik in Honduras. Teil der Ausstellung „Fast Fashion“ im Museum für Kunst & Gewerbe, Hamburg.

Als Kind vom Dorf weiß ich, dass Igel laut schnaufen wie fette alte Frauen, die widerwillig Treppenstufen hinaufsteigen müssen. Aber ich wusste nicht, dass Kaninchen schreien können wie in einem Horrorfilm. Wenn man den hochgezüchteten, rotäugigen Angorakaninchen das lange Fell bei lebendigem Leib ausrupft, schreien sie vor Schmerz. Ein Video der Tierschutzorganisation PeTA zeigt, wie grausam die Produktion von Angorawolle abläuft. Die kahlgerupften, blutenden Tiere werden anschließend zurück in den Käfig verfrachtet, wo sie ungestört verrecken können. Baumwollkleidung ist da schon besser. Bei der Produktion sterben nur ein paar Millionen Menschen im Jahr. Langsam und qualvoll durch hochgiftige Pestizide, mit denen die Baumwollplantagen besprüht werden. Durch Chemikalien, mit denen die Stoffe gefärbt und nebenbei Flüsse vergiftet werden. Und weil die Arbeitsbedingungen auch ansonsten so beschissen sind, dass die Menschen durch Krankheiten, Arbeitsunfälle oder ihre brutalen Sklavenhalter („Arbeitgeber“) sterben.

Im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe läuft gerade die Ausstellung „Fast Fashion“. Fast Fashion – das heißt, eine Jacke für 50 Euro zu kaufen, für die eine Näherin 5 Cent bekommen hat. Dann kriegst du eine Allergie und fragst dich, warum. Vielleicht, weil die Chemikalien, mit denen der Stoff behandelt wurde, auch nach ein paar Wäschen noch nicht raus sind. Fast Fashion heißt, dass für dein Schnäppchen bei H&M höchstwahrscheinlich ein anderer Mensch gestorben oder todkrank geworden ist.

Wie gut, dass wir hier in Europa Chemikalienverordnungen, Umweltschutzauflagen und sowas wie Menschenrechte haben. Genau darum werden mehr als 90% unserer Kleidung in Asien hergestellt.

Wir leben nach dem Prinzip „ending not mending“ aus Huxleys Brave New World. Warum ein altes Kleidungsstück mühsam zusammenflicken, wenn man für wenig Geld ein neues bekommen kann?  „Banalität des Bösen“ hat mal jemand, in Anspielung auf Hannah Arendt, auf den Eingangsbereich eines Modegeschäfts gesprayt, an dem ich oft vorbeiging. Man kauft einfach aus Bequemlichkeit in Mainstream-Läden. Aber damit tut man weder anderen noch sich selbst einen Gefallen. Denn:

1. Kleidung von der Stange ist langweilig, weil immer nur auf die neuesten „Trends“ ausgerichtet, die sich irgendein idiotischer Modezar augedacht hat.

2. Sie enthält möglicherweise krebserregende oder allergienauslösende Stoffe

3. Tiere und/oder Menschen wurden dafür gefoltert, vergiftet, getötet.

Die Alternative: Fair produzierte Kleidung, Second Hand kaufen, mit Freunden oder online tauschen. Nachhaltige Fasern sind z.B. Leinen, Bio-Baumwolle (organic cotton), Hanf, Merinowolle und Bambus. Das muss nicht unbedingt nach Hippiestyle aussehen. Hier findet ihr Modelabels, die fair und giftfrei produzieren:

http://www.getchanged.net/

Weitere Informationen zur Ausstellung Fast Fashion & anderen:

http://www.mkg-hamburg.de/en/
Eintritt: 10€/7€ (ermäßigt), Jahresabos ab 10€(Lohnt sich!)

Welche Firmen planen, mit der hochgiftigen Produktion aufzuhören und werden in den nächsten Jahren endlich Kontrollen einführen? Greenpeace hat die Liste:

https://www.greenpeace.de/kampagnen/detox

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