Bedrückende Versuche einer Zeitreise

Die Boulevardisierung und Verwässerung der Erinnerugskultur schreitet voran: Das Gruselkabinett als Alternative für Deutschland?

Beschmierte Gedenktafel in Aachen, 2014. Der/die Täter/in war sicher kein/e Orwell-Leser/in.

Die ZDF-Sendung Neo Magazin Royale ist bekannt für Jan Böhmermanns kluge Blödeleien und geschickt konstruierte Kontroversen. Die Folge vom 16. November war eine Satire im Dokumentationsstil, bei der Autor und Komiker Ralf Kabelka mit seiner authentisch wirkenden Neugier als Gegengewicht zu Böhmermanns Zynismus wirkte. Es ging um einen Themenpark, der 2023 eröffnen und die Nazizeit als Freizeitevent für die ganze Familie inszenieren sollte. Der Projektleiter des sogenannten Reichsparks, gespielt von Piet Fuchs, erklärt in Werbefilmchen und Interviews seine Vision von erlebbar gemachter Geschichte. Zwar mag es zur Schadenfreude anregen, dass Neo Magazin Royale erneut ein paar Voreilige an der Nase herumführen konnte. Doch besonders bedrückend sind die echten Reportage-Sequenzen.Weiterlesen »

Kulturviertel Hannover-Linden: Die Faust, der Nachbarin

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Das Kulturzentrum Faust im Multikulti-Viertel Linden, Hannover. Ein gutes Vorbild für weitere Projekte, um Hannovers Image endlich aus dem Schatten Hamburgs zu holen.
Linden, inzwischen ein Stadtteil von Hannover, ist links und bunt. Hannah Arendts Geburtshaus steht fast gegenüber vom Bürgeramt Linden-Mitte. Die Grafitti-veredelte Limmerstraße erinnert an studentische Viertel in Hamburg. In der Multikulti-Gegend befindet sich auch das Kulturzentrum Faust mit der Bar Mephisto und dem Biergarten (na… Literaturfans wissen den Namen schon…) Gretchen.
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Zur „Faust“ gehören mehrere soziale Einrichtungen wie z.B. die Asylberatungsstelle; außerdem eine Kunsthalle und ein Café namens Der Nachbarin.

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Die ehemalige Bettenfabrik liegt direkt an einem Park und am Fluss Leine. Die Terrorgruppe, Against Me! und andere Punkgrößen sind hier schon aufgetreten.

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Hannover war während der berüchtigten Chaostage in den 1980ern und 90ern eine Art Mekka für Punks, Skinheads, Antifaschisten und sinnlos herumpöbelnde Halbstarke. Nachdem die Chaostage 1995 völlig eskaliert waren, schlug die Polizei 1996 jede noch so kleine Ausschreitung nieder. Hannover ist seitdem nicht gerade die aufregendste Stadt Deutschlands.
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Ich habe hier in Hannovers Kulturviertel jahrelang Konzertkritiken geschrieben. Dies sind die Fotos meines vorerst letzten Spaziergangs durch Linden, da ich den Job geschmissen habe, um mehr Zeit für andere Texte zu haben und in Italien zu studieren.

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Das verfallene Ihme Zentrum in Hannover könnte ebenfalls von linken Gruppen für kulturelle und soziale Projekte genutzt werden, wenn die Stadt das gescheiterte Konzept einer riesigen Wohn-Wabe mit Shoppingmall aufgäbe und den Gebäudekomplex den BürgerInnen übeließe.

http://www.kulturzentrum-faust.de/

Demonstration: World Citizens against Nationalism

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Fotocollage: Demo-Organisator Farhad M. auf Instagram. Obwohl sich Presse und TV auf den Anti-Trump Aspekt der Demonstration konzentrierten, kritisierten die linken Gruppen auch Nationalismus in Europa, z.B. den Flüchtlingsdeal zwischen Deutschland und Türkei und die katastrophale Situation in griechischen Flüchtlingslagern.
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Dieser Herr hatte öffentlich angemerkt, die Demonstration habe keinen Sinn, da sie in einem Atomkrieg zwischen Iran und USA untergehen würde. Glücklicherweise ist dies und der von ihm ebenfalls prophezeite Dritte Weltkrieg ausgeblieben.
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Demo in Rom.  Foto: Farhad M.
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Demo in Rom. Foto: Farhad M.
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Allein in Bologna setzten 200 DemonstrantInnen ein Zeichen gegen Nazis. In Rom demonstrierten noch viel mehr Menschen und zwar vor der US-Botschaft, denn ihre Demo richtete sich insbesondere gegen Donald Trump.
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Auch der Bürgermeister von Bologna war anwesend. In Bologna warten viele internationale Studierende und Arbeitssuchende ein halbes Jahr oder länger auf ihre Aufenthaltsgenehmigung, die bei Erhalt fast oder schön länger abgelaufen ist. Für die „Geduldeten“ ist diese Situation finanziell und emotional sehr belastend, da sie beispielsweise nicht legal arbeiten oder nicht an Uni-Klausuren teilnehmen können, obwohl sie dafür qualifiziert sind und sich eingeschrieben bzw. erfolgreich beworben haben.
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Foto: Farhad M.
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Foto: Alessandro P.

Die Demonstrationen in Italien waren ein voller Erfolg und es sind weitere in Planung.

Pressespiegel:

La Repubblica über die Demo in Bologna (Artikel auf Italienisch)

Ansa über die Demo in Bologna (Artikel auf Italienisch)

Euronews (Pingback von Ansa) über die Demo in Bologna

 

 

World Citizens Against Nationalism

English:
The attack on the freedom of movement is an attack on the Universal Declaration of Human Rights. Whether it is Donald Trump’s racist 3-month visa ban for travelers from Iran, Iraq, Lybia, Syria, Somalia and Sudan, and the unlimited ban on Syrian refugees from entering the US, whether it is the EU’s, Norway’s and Turkey’s murderous „Fortress Europe“ border politics or religious extremism in anyway – nationalism seems to be fashionable again. Recent elections in Britain and the US have showed this, but also the rise of racist parties such as Lega Nord, Front National, AfD, FPÖ etc. We do not go with the fashion, we will walk the streets to demonstrate against nationalism, racism and fascism! Everybody who values at least the basic international human rights, must understand that closing borders, banning certain ethnic groups from entering a state or state union and going back to an extreme form of nationalism is a violation of international law, inhumane and does not even make sense in a globalized world as ours. We gather to show solidarity with the women’s march in Washington and many other cities, with migrants and with refugees of any culture. We will stand together as world citizens against a throwback to nationalism.

Deutsch:
Der Angriff auf die Personenfreizügigkeit ist ein Angriff auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Sei es das rassistische 3-monatige Visumsverbot von Donald Trump für Reisende aus Iran, Irak, Libyen, Syrien, Somalia und dem Sudan und das zeitlich unbegrenzte Verbot für syrische Flüchtlinge, in die USA einzureisen; sei es die mörderische „Festung Europa“-Grenzpolitik der EU, Norwegens und der Türkei oder religiöser Extremismus jeglicher Art – Nationalismus scheint wieder in Mode zu sein. Die jüngsten Wahlen in Großbritannien und den USA haben dies gezeigt, aber auch der Aufstieg rassistischer Parteien wie Lega Nord, Front National, AfD, FPÖ etc. Wir gehen nicht mit der Mode, wir gehen auf die Straße gegen den Nationalismus, Rassismus und Faschismus! Jede/r, die/der zumindest die grundlegenden internationalen Menschenrechte schätzt, muss verstehen, dass das Schließen von Grenzen, das Verbot für bestimmte ethnische Gruppen, in einen Staat oder eine Staatenunion einzureisen und die Rückkehr zu einer extremen Form des Nationalismus eine Verletzung des Völkerrechts darstellt, unmenschlich ist und nicht einmal Sinn ergibt in einer globalisierten Welt wie der unsrigen. Wir werden als Weltenbürger zusammenstehen, gegen einen Rückfall zum Nationalismus.

Edit: Since one of the main organizers of the demonstration has decided to only demonstrate against Donald Trump and NOT against Lega Nord, Front National, AfD, FPÖ etc., I do NOT recommend you to join, because there might be Italian or other European racist parties involved! Take care, be safe and fight nationalism, racism, fascism everywhere (not only in the USA)! – mk